Wie stehen Sie zur Einführung von gelosten, digitalen Bürgerräten in Hamburg, um auch berufstätigen Bürgern wie mir wieder eine Stimme bei Zukunftsthemen zu geben?
Sehr geehrte Frau Zagst, wie stehen Sie zur Einführung von gelosten, digitalen Bürgerräten in Hamburg, um auch berufstätigen Bürgern wie mir wieder eine Stimme bei Zukunftsthemen zu geben?
Sehr geehrte Frau G.,
vielen Dank für Ihre Frage. Wir Grünen unterstützen die Einrichtung von Bürger*innenräten als einen wichtigen Beitrag zu mehr politischer Beteiligung durch die Gesellschaft.
Dabei bilden geloste Bürger*innenräte die Gesellschaft in ihrer Vielfalt ab und helfen der Politik zu Entscheidungen zu gelangen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden können.
In der Phase der gemeinsamen Arbeit der gelosten Gruppe bedarf es fachlichen Inputs, für den Expert*innen des zu beratenden Feldes geladen werden. Diese werden so ausgewählt, dass der Input vielfältig und ausgewogen alle Handlungsoptionen beleuchtet. Diese Arbeit verlangt den Teilnehmenden einiges an Zeit ab. Die große Bandbreite an Lebenssituationen der Teilnehmenden, bezogen auf Alter, Bildung, Wohnort etc., führt zu sehr unterschiedlichen Wünschen an die zeitliche und räumliche Organisation. In Hamburg haben wir zusätzlich die besondere Situation, dass der Wohnort weit weniger relevant ist als in Flächenländern. Dennoch ist auch hier die Fahrtzeit für viele Teilnehmenden ein wichtiges Kriterium. Deswegen gilt es für die Bürger*innenräte im Einzelfall zu entscheiden, ob hybride oder digitale Tagungsformen das Angebot ergänzen sollten.
Rein digitale Bürger*innenräte würden jedenfalls viele Teilnehmende ausschließen. Dies liegt nicht nur an mangelnden technischen Möglichkeiten oder Kompetenzen, auch wünschen sich viele über alle Altersgruppen hinweg den direkten Austausch und die Debatte in realen Tischgruppen. Außerdem macht es den Wert von Bürger*innenräten aus, dass Teilnehmende mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten und -erfahrungen in den Austausch kommen. Diese Debatte lässt die Teilnehmenden ihre eigene Echokammer verlassen und zeigt die Notwendigkeit von Kompromissen auf. Im digitalen Raum kann dieser Austausch in all seinen Facetten nur verkürzt dargestellt werden.
Sie sehen: Bürger*innenräte liegen uns Grüne am Herzen. Ob eine digitale Umsetzung der Sitzungen möglich ist, sollte aber jeder Rat individuell entscheiden.
Mit freundlichen Grüßen
Lena Zagst

