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Bettina Hagedorn
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Frage von Sabine S. •

Werden Sie sich in Ihrer Fraktion dafür einsetzen, dass die Wechseljahre mehr politisches Gewicht bekommen und eine nationale Menopausen-Strategie entsteht?

Sehr geehrte Frau Hagedorn,

als Ernährungsberaterin aus der Region begleite ich Frauen in den Wechseljahren. Rund neun Millionen Frauen in Deutschland sind betroffen. Die HWR Berlin (Rumler/Strohsal, 2024) beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten auf 9,4 Mrd. Euro und fast 40 Mio. Arbeitstage jährlich, ohne Frühverrentung und Teilzeit.

Im Koalitionsvertrag stehen die Wechseljahre nur in einer Aufzählung (S. 111). Großbritannien verpflichtet Arbeitgeber mit 250+ Beschäftigten ab 2027 zu Maßnahmen für Frauen in den Wechseljahren (Employment Rights Act 2025).

Die Ergebnisse des Dialogprozesses Wechseljahre des BMG waren für Herbst 2026 angekündigt. Auf meine Anfrage dort erhielt ich nur eine automatische Antwort: Individuelle Stellungnahmen seien nicht möglich. Daher wende ich mich auch an Sie und bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine S.

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau S., 

vielen Dank für Ihre Frage vom 12.10.2026 zu dem Thema „Wechseljahre“ mit Bezug auf S.111 des Koalitionsvertrages vom Mai 2025 und nach einer eventuellen „Nationalen Menopausen-Strategie“. 

Ich verstehe, dass Sie das Thema bewegt, da es dem Bereich der Frauengesundheit auch heute noch in einem Großteil der Gesellschaft an Akzeptanz fehlt und diese auch im Forschungsbereich weniger Berücksichtigung erfährt. Wie Sie dem Koalitionsvertrag richtigerweise entnommen haben, haben wir deshalb hier das Ziel vereinbart die medizinische Vorsorge, Behandlung und Forschung unter Berücksichtigung der Geschlechter und deren Bedürfnissen in unterschiedlichen Lebensphasen auszugestalten. Darunter fällt auch das Thema Wechseljahre.

Die mangelnde Berücksichtigung der Frau in der Gesundheitsforschung hat zur Folge, dass viele Verfahren und Diagnosen auf Werten basieren, die eher männlich geprägt sind. Dadurch können Symptome übersehen oder falsch eingeschätzt werden, was letztendlich zu einer falschen Versorgung führen kann. Um eine bessere Versorgung und eine größere Sensibilisierung für solche Themen zu ermöglichen, braucht es zunächst einmal ausreichend belastbare Daten, die geschlechtsspezifische Unterschiede hervorheben, und in die medizinische Forschung einfließen. Um ein solches Vorhaben umzusetzen, braucht es finanzielle Mittel. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr 2025 einen gesundheitspolitischen Schwerpunkt im Bundeshaushalt gesetzt und festgelegt, bis 2029 insgesamt 30,8 Millionen Euro zu investieren, um mehr Forschung für Frauengesundheit zu fördern.

Im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unter der zuständigen CSU-Bundesministerin Dorothee Bär gibt es jetzt ein eigenes Referat für Frauengesundheit, welches sich u.a. auch mit der Thematik der Wechseljahre auseinandersetzt. Tatsächlich haben das Forschungsministerium, sowie das Bundesministerium für Gesundheit unter CDU-Bundesminister Carsten Linnemann Schnittstellen bei diesem Thema, weshalb in beiden Häusern Fördermaßnahmen existieren. Der von Ihnen angesprochene „Dialogprozess Wechseljahre“ ist eine Initiative des von der CDU geführten Bundesgesundheitsministeriums. Das Ergebnispapier zum Dialogprozess wurde am 13. Oktober 2026 auf der Internetseite des Ministeriums veröffentlicht.

Als Sozialdemokratin unterstütze ich die Verbesserungen im Bereich der Frauengesundheit nicht nur aufgrund des Nachholbedarfs in der Forschung, sondern insbesondere auch aufgrund sozialer Ungleichheiten, die aus mangelnder Sensibilisierung und Aufklärung entstehen. Denn vielen ist nicht bewusst, dass geschlechterspezifische Symptome - wie bei den Wechseljahren - Frauen im Beruf sehr stark beeinträchtigen können. Durch solche Einschränkungen können Symptome und eine ausbleibende richtige Behandlung die Betroffenen zu einer Teilzeittätigkeit oder einem gänzlichen Rückzug aus dem Berufsleben zwingen mit negativen Folgen für deren Rentenansprüche. Eine gezielte medizinische Forschung hätte zusätzlich eine Entlastung unseres Gesundheitssystems und verbesserte Chancen auf eine erfolgreiche Prävention zur Folge. Denn Tatsache ist leider, dass Deutschland zwar über eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt verfügt, aber dennoch im internationalen Vergleich oft nur eine mittelmäßige Versorgungsqualität erreicht.

Wie Sie sehen, verfolgen wir das von Ihnen angesprochene Thema in dieser Legislaturperiode sehr ernsthaft und investieren in eine nachhaltige Verbesserung der bisherigen Zustände und gleichzeitig auch in eine gesamtgesellschaftlich höhere Akzeptanz. Für die konkrete Umsetzung der Fördermaßnahmen sind dabei zwei Bundesministerien zuständig, welche beide vom CDU/CSU-Koalitionspartner geleitet werden. Bei der nationalen Menopausen-Strategie handelte es sich um einen Vorschlag der CDU/CSU aus dem Jahr 2024, den diese in ihrer Oppositionsrolle in den Bundestag eingebracht hatten. Meiner Ansicht nach müssen wir derzeit keine Diskussion über eine solche „Strategie“ führen, da wir bis 2029 viele Fördermaßnahmen und Investitionen im Bereich der Frauengesundheit ermöglicht haben. Da die finanziellen Rahmenbedingungen für Fördermaßnahmen erst im vergangenen Jahr beschlossen wurden und einige Förderrichtlinien erst einen Projektstart für Januar 2027 vorsehen, braucht es noch etwas Geduld bis hier valide Forschungsergebnisse vorliegen. 

Ich hoffe, dass Ihnen diese Information weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Bettina Hagedorn

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