Wie sollen Menschen die erst im Erwachsenenalter Deutsch gelernt haben, den Beruf des Anlagemechanikers Heizung, Sanitär Klima erlernen?
Sehr geehrter Herr Rützel,
als Begleiterin von Migranten erlebe ich: Selbst bei hohem Bildungsgrad im Heimatland ist die deutsche Sprache eine enorme Hürde. Das aktuelle System zwingt diese Menschen nach der B2 Deutschprüfung entweder in prekäre Hilfsjobs oder in hochkomplexe Ausbildungen, die sie kaum bewältigen können.
Konkret: Es gibt keine simple Klempner-Ausbildung mehr. Der „Anlagenmechaniker SHK“ ist auf Muttersprachler mit mittlerem Schulabschluss zugeschnitten. Hauptschüler und Geflüchtete scheitern an der Theorie, während Fachabiturienten diesen Beruf kaum wählen.
Wenn wir die Instandhaltung unserer Infrastruktur sichern wollen, brauchen wir Menschen, die praktisch anpacken können. Warum setzt sich die SPD nicht für machbare "altertümliche" Ausbildungen ein, die sich auf das Wesentliche konzentrieren? Warum gibt es keinen „Einstiegs-Klempner“ mehr, der ein Leck reparieren kann, ohne Gasheizungen UND Wärmepumpen warten zu können?
Mit freundlichem Gruß
Nina B.
Sehr geehrte Frau B.,
Danke für Ihre Frage. Eine Ausbildung „light“ würde sicher nicht nur Menschen mit Sprachhindernissen, sondern auch anderen eine Perspektive bieten. Ich weiß, dass es z.B. im Pflegebereich mit der Pflegefachassistenz oder mit der Fachpraktiker-Ausbildung für Menschen mit Behinderung entsprechende Ansätze bereits gibt. Die Initiative geht in der Regel von den Berufsverbänden, Handwerkskammern oder Gewerkschaften aus. Ich selbst finde die "gestufte Ausbildung" - auch aus eigener beruflichen Erfahrung - eine gute Idee. Häufig ist diese auch Auslöser für weitergehende Abschlüsse.
Den Erwerb der deutschen Sprache halte ich dennoch für besonders wichtig, um sich hier zu integrieren und bin der Auffassung, dass hierauf besonderer Wert gelegt werden sollte.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Rützel

