Ihre Position zur Renteneintrittsreform: Kopplung an die Lebenserwartung
Sehr geehrter Herr Vogt, die geplante Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung wird von rund 63% der Bevölkerung abgelehnt. Die Gründe sind vielfältig: Menschen in körperlich belastenden Berufen, in der Pflege oder im Handwerk können oft nicht bis 67, 68 oder länger arbeiten – unabhängig von der statistischen Lebenserwartung.Ich möchte Ihre Position dazu erfahren:
Wie stehen Sie persönlich zu einer solchen Kopplung? Werden Sie sich im Bundestag für oder gegen diese Regelung aussprechen? Wie bewerten Sie die Tatsache, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung diesen Vorschlag ablehnt?Ich würde mich sehr über eine klare und transparente Antwort freuen, denn gerade bei so weitreichenden Fragen ist es wichtig, dass die Wählerinnen und Wähler wissen, wofür ihre Abgeordneten stehen.
sehr geehrter Herr O.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Frage.
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass die Ausgestaltung des Rentenrechts Bundespolitik ist und ich nicht Mitglied des Bundestags bin. Als Landtagsabgeordneter entscheide ich darüber nicht unmittelbar. Gleichwohl bewegt das Thema viele Menschen, weshalb ich Ihnen gerne meine persönliche Einschätzung gebe.
Dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung kritisch sieht, überrascht mich nicht. Es handelt sich um eine sehr persönliche Frage, die jeden Einzelnen betrifft. Viele Menschen haben sich seit Jahren darauf gefreut, möglichst früh in Rente gehen zu können.
Gleichzeitig bin ich der Auffassung, dass Politik sich nicht ausschließlich daran orientieren darf, welche Position in einer Umfrage von den meisten Menschen befürwortet oder abgelehnt wird. Das wäre oft der einfachere Weg. Politik muss aber alle Aspekte gegeneinander abwägen und – wenn es notwendig ist – auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Das gehört zu verantwortungsvollem Regieren dazu.
Ich möchte nicht, dass Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben können, künftig bis 67, 68 oder noch länger arbeiten müssen. Wer dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig ist, muss auch weiterhin abgesichert sein und vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden können.
Die eigentliche Herausforderung ist: Unsere Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Also beziehen die Menschen im Durchschnitt wesentlich länger Rente als frühere Generationen. Hinzu kommt, dass viele Menschen mit 65 Jahren heute gesundheitlich deutlich fitter sind als Menschen gleichen Alters noch vor zwei oder drei Generationen. Das gilt selbstverständlich nicht für alle, aber im Durchschnitt ist diese Entwicklung eindeutig.
Deshalb müssen wir die Frage stellen, wie unser Rentensystem dauerhaft finanzierbar bleibt. Denn jede Verbesserung und jede zusätzliche Leistung muss letztlich von den Beitragszahlern finanziert werden. Es geht nicht darum, Menschen zu ärgern oder ihnen etwas wegzunehmen. Es geht darum, dass auch unsere Kinder und Enkel noch ein verlässliches Rentensystem vorfinden und die Beiträge nicht immer weiter steigen.
Gleichzeitig sollten wir stärker auf Flexibilität setzen. Viele Menschen möchten gar nicht abrupt aus dem Berufsleben ausscheiden, sondern würden gerne schrittweise kürzertreten, ihre Erfahrung weitergeben und gleichzeitig ihr Einkommen aufbessern. Für solche gleitenden Übergänge brauchen wir aus meiner Sicht bessere Rahmenbedingungen. Wer länger arbeiten möchte, sollte dies unkompliziert tun können. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, muss weiterhin geschützt sein. Und wer jahrzehntelang Beiträge geleistet hat, muss sich darauf verlassen können, dass das System auch in Zukunft trägt.
Ich bin überzeugt, dass wir die Rentendebatte ehrlich führen müssen. Dazu gehört auch, offen auszusprechen, dass der demografische Wandel nicht folgenlos bleibt. Ein Rentensystem, das dauerhaft mehr Leistungen verspricht, als es finanzieren kann, wäre gegenüber den jüngeren Generationen nicht verantwortbar.
Vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an diesem wichtigen Thema.

