Was ist Ihre Vision für die deutsch-russischen Beziehungen in 10 oder 20 Jahren, und wie soll aus der heutigen Konfrontation wieder ein friedliches und konstruktives Verhältnis entstehen?
Sehr geehrter Herr Frei,
in der deutschen und europäischen Politik wird sehr ausführlich darüber gesprochen, wie Russland militärisch, wirtschaftlich und politisch begegnet werden soll. Deutlich seltener höre ich eine konkrete Antwort darauf, wie die Beziehungen langfristig aussehen sollen.
Russland wird auch in 10, 20 oder 30 Jahren ein Teil Europas und ein unmittelbarer Nachbar der EU sein. Eine dauerhafte Konfrontation kann daher kaum eine langfristige politische Perspektive sein.
Unter welchen konkreten Voraussetzungen sollte Deutschland wieder diplomatische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen zu Russland aufbauen? Welche Initiative sollte Deutschland selbst ergreifen, um langfristig von Konfrontation zu einem friedlichen Zusammenleben zu gelangen?
Mich interessiert ausdrücklich nicht die Bewertung der aktuellen russischen Regierung, sondern die langfristige politische Perspektive Deutschlands gegenüber Russland als Land und seiner Bevölkerung.
Sehr geehrte Frau M.,
mein langfristiges Ziel ist ein friedliches und konstruktives Verhältnis zu Russland. Russland bleibt Teil Europas. Unsere Kritik richtet sich gegen die Politik der russischen Führung, nicht gegen die russische Bevölkerung. Voraussetzung für eine Annäherung sind das Ende des russischen Angriffskrieges, ein tragfähiger Frieden für die Ukraine und die dauerhafte Achtung des Völkerrechts sowie der Souveränität anderer Staaten. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass wirtschaftliche Verflechtungen allein keinen Frieden garantieren. Deutschland setzt sich deshalb gemeinsam mit seinen europäischen Partnern für eine diplomatische Lösung und eine verlässliche europäische Sicherheitsordnung ein. Gesprächskanäle müssen dafür offenbleiben. Auf dieser Grundlage könnten langfristig auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen wieder intensiviert werden. Im Moment sehe ich dafür aber auf der russischen Seite keine Bereitschaft. Dass wir ein großes Interesse am Ende des Krieges in der Ukraine haben, ist bekannt.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei

