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Simone Borchardt
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Frage von Anna B. •

Was halten Sie von den geplanten Budgetkürzungen bei der Pflege?

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Antwort von CDU

So, wie Sie die Frage stellen, lässt sie sich seriös nur eingeschränkt beantworten. „Budgetkürzungen bei der Pflege“ ist kein konkreter politischer Vorschlag, sondern eine sehr pauschale Formulierung. Es bleibt offen, ob Sie die soziale Pflegeversicherung, die Finanzierung von Pflegeeinrichtungen, Leistungen für Pflegebedürftige, die Unterstützung pflegender Angehöriger, die Krankenhauspflege oder einzelne Haushaltsansätze meinen.

Eine solche Unschärfe führt in der politischen Debatte nicht weiter. Gerade bei einem so sensiblen Thema wie Pflege müssen wir konkret bleiben. Wer von Kürzungen spricht, muss auch sagen, welche Leistung, welcher Haushaltstitel oder welche gesetzliche Regelung gemeint ist. Alles andere erzeugt Verunsicherung, ohne zur Lösung beizutragen.

In der Sache gilt für mich: Pauschale Kürzungen zulasten pflegebedürftiger Menschen, ihrer Angehörigen oder der Pflegekräfte lehne ich ab. Pflege darf nicht zum Steinbruch kurzfristiger Haushaltskosmetik werden. Wer dort blind spart, riskiert schlechtere Versorgung, mehr Überlastung und am Ende höhere Folgekosten.

Gleichzeitig wäre es falsch, so zu tun, als könne im bestehenden System einfach alles unverändert weiterlaufen. Die soziale Pflegeversicherung steht finanziell erheblich unter Druck. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die Kosten steigen, die Eigenanteile vieler Familien sind bereits sehr hoch. Der Bund stützt die Pflegeversicherung für 2026 mit einem Darlehen von insgesamt 3,2 Milliarden Euro, um die Liquidität zu sichern und den Beitragssatz zu stabilisieren. Das ist eine kurzfristige Stabilisierungsmaßnahme, aber keine strukturelle Lösung.

Deshalb müssen wir zwei Dinge auseinanderhalten: Es gibt einen Unterschied zwischen pauschalem Kaputtsparen und einer notwendigen Reform der Finanzierungsstrukturen. Das eine schwächt die Pflege. Das andere ist Voraussetzung dafür, dass Pflege auch künftig verlässlich funktioniert.

Aus meiner Sicht brauchen wir vor allem:

  • weniger Bürokratie in der Pflege,
  • mehr Zeit für die tatsächliche Versorgung,
  • eine bessere Unterstützung pflegender Angehöriger,
  • verlässliche Rahmenbedingungen für Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste,
  • eine faire Verteilung der Kosten zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen,
  • eine klare Priorisierung der Mittel dort, wo sie unmittelbar bei Pflegebedürftigen und Pflegekräften ankommen.

Nicht jeder Euro, der im System ausgegeben wird, verbessert automatisch die Pflege. Aber jeder Eingriff in die Finanzierung muss daran gemessen werden, ob er Versorgung stabilisiert oder gefährdet. Genau das ist für mich der entscheidende Maßstab.

Ich werde deshalb keine pauschale Behauptung übernehmen, wonach „die Pflege“ einfach gekürzt werde. Ich werde aber jeden konkreten Vorschlag sehr kritisch prüfen, wenn er zulasten der Menschen geht, die auf Pflege angewiesen sind oder täglich Pflege leisten.

Pflege braucht Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Reformbereitschaft. Was sie nicht braucht, sind ungenaue Schlagworte, die mehr vernebeln als klären.

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