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Pascal Leddin
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Frage von Jessica F. •

Wie soll es mit der psychotherapeutischen Versorgung in Uelzen, in Niedersachsen weitergehen?

Sehr geehrter Herr Leddin, mit Erschrecken musste ich feststellen, dass der Bundestag und -rat tatsächlich das neue GKV-BStabG verabschiedet hat. Nun wird es für alle noch schwerer, eine gute ambulante Therapie zu finden. Wo ist da der Sinn? Ich selber bin psychisch erkrankt. Jahrelang war ich (teilweise über Monate) immer wieder stationär in der (geschlossenen) Psychiatrie. Das kostet die Krankenkassen viel Geld. Seit etwas über zwei Jahren habe ich eine ambulante Therapeutin. Durch die Therapie bei ihr, durch ihre Hilfe, durch ihre Arbeit, war ich in den letzten zwei Jahren nicht in der Akutpsychiatrie, keine einzige Nacht. Und wir arbeiten in der Therapie auch an Zielen, an der Zukunft. Der Plan war: raus aus der Berentung. Das können teure Klinikaufenthalte nicht leisten. Die sind "nur" Sicherung. Worin liegt denn der Sinn mir und vielen Anderen die Möglichkeit wieder an der Gesellschaft teilzunehmen, wieder etwas zu leisten, zu rauben? Mit freundlichen Grüßen, J. F.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau F.,

vielen Dank für Ihr Schreiben und die darin geschilderten Sorgen. Ich teile Ihre Einschätzung, dass die aktuellen Entwicklungen in der psychotherapeutischen Versorgung Anlass zu großer Sorge geben.

Die vom Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossenen Honorarkürzungen um 4,5 Prozent sowie die geplanten finanziellen Einschnitte im Regierungsentwurf eines GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes halte ich angesichts der bereits bestehenden Versorgungslücken für nicht vertretbar. Gerade in einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung steigt, viele Patient*innen schon heute viel zu lange auf einen Therapieplatz warten und Praxen gleichzeitig unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, sind weitere Kürzungen das falsche Signal.

Einsparungen bei der psychotherapeutischen Versorgung sind zudem kurzsichtig. Wenn Menschen nicht frühzeitig die notwendige Unterstützung erhalten, bleibt nicht nur individuelles Leid länger unbehandelt. Es steigt auch das Risiko, dass psychische Erkrankungen chronisch werden, stationäre Behandlungen notwendig werden und Menschen längerfristig im Arbeitsleben ausfallen. Was kurzfristig als Einsparung erscheint, kann deshalb mittel- und langfristig zu deutlich höheren gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten führen.

Für uns Grüne ist deshalb klar: Psychotherapeutische Versorgung muss verlässlich und angemessen finanziert werden. Wenn Praxen wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten oder Fehlanreize entstehen, die insbesondere zulasten gesetzlich Versicherter gehen, gefährdet das eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung.

Gleichzeitig reicht es nicht aus, lediglich Kürzungen zu verhindern. Wir brauchen strukturelle Verbesserungen. Die psychischen Belastungen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Trotzdem ist der Zugang zu unserem Hilfesystem weiterhin mit zu vielen Hürden verbunden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen in psychischen Krisen teilweise monatelang auf passende Unterstützung warten müssen. Unser Ziel muss sein, dass Menschen mit Hilfebedarf schnell und niedrigschwellig Zugang zu passenden psychosozialen und therapeutischen Angeboten erhalten.

Auf Bundesebene haben unsere Kolleg*innen deshalb den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Deutschen Bundestag eingebracht. Darin setzen wir uns unter anderem für eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung ein, die sich stärker am tatsächlichen Hilfebedarf orientiert.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen. Für sie braucht es eine eigenständige Bedarfsplanung. Gerade junge Menschen können für eine regelmäßige Behandlung nicht ohne Weiteres lange Wege zurücklegen. Sie brauchen Angebote vor Ort, die möglichst gut mit Kitas, Schulen und kommunalen Unterstützungsstrukturen vernetzt sind. Gleichzeitig wollen wir die Unterschiede zwischen Stadt und Land verringern und damit gleichwertige gesundheitliche Lebensverhältnisse schaffen.

Zu einer verlässlichen Versorgung gehört außerdem, dass wir genügend Fachkräfte ausbilden. Deshalb setzen wir uns für eine dauerhafte und tragfähige Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung ein. Es kann nicht sein, dass wir auf der einen Seite über fehlende Therapieplätze sprechen und auf der anderen Seite bei der Qualifizierung der dringend benötigten Fachkräfte keine ausreichende Finanzierung sicherstellen.

Wir werden uns deshalb gemeinsam mit unseren Kolleg*innen auf Bundesebene in den parlamentarischen Beratungen zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die psychotherapeutische Versorgung finanziell abgesichert und strukturell gestärkt wird. Psychische Gesundheit darf weder vom Wohnort noch vom Versicherungsstatus oder vom eigenen Einkommen abhängen.

Mit freundlichen Grüßen
Pascal Leddin

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