Michael Kießling MdB_Quelle Oliver Grüner
Michael Kießling
CSU
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Frage von David S. •

Stimmen Sie entgegen der Meinung des Großteils der Bevölkerung für eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung stimmen und wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

63% der deutschen Bevölkerung lehnen die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab.

Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/deutschlandtrend-juli-102.html

Michael Kießling MdB_Quelle Oliver Grüner
Antwort von CSU

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihr Schreiben zum geplanten Rentenreformpaket.

Vorab zur Einordnung: Die Empfehlungen, auf die sich alle aktuellen Berichte stützen, stammen von der Alterssicherungskommission, die ihren Bericht mit 33 Empfehlungen am 23. Juni 2026 vorgelegt hat. Ein konkreter Gesetzentwurf mit den tatsächlichen Regelungen steht noch aus und wird im Bundesministerium für Arbeit und Soziales erarbeitet.

Vorgesehen ist eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung ab dem Jahr 2032, wonach zwei Drittel eines gewonnenen Lebensjahres der Erwerbsphase und ein Drittel der Rentenphase zugutekommen sollen. Nach heutiger Berechnung würde das die Regelaltersgrenze bis 2041 auf höchstens 67,5 Jahre anheben – ein Wert von 70 Jahren wäre rein rechnerisch erst in den 2090er-Jahren erreicht, und selbst das nur, wenn sich die Lebenserwartung in diesem Tempo weiterentwickelt. Es handelt sich dabei also um einen sehr langfristigen Mechanismus und nicht um einen politischen Schnellschuss.

Warum ich das Rentenpaket in seiner Gesamtheit für richtig halte: Wir stehen vor einer demografischen Realität, an der kein Weg vorbeiführt: Immer weniger Beitragszahlende müssen immer mehr Rentnerinnen und Rentner finanzieren. Frühere Reformen haben diese Entwicklung immer wieder nur verschoben, statt sie strukturell zu lösen. Das vorliegende Paket verbindet mehrere Stellschrauben: Regelaltersgrenze, Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, eine neue Härtefallregelung für besonders belastende Erwerbsbiografien, die stärkere Einbindung von Beamtinnen und Beamten sowie Selbstständigen in die Alterssicherung. Daraus entsteht ein Gesamtkonzept, das die gesetzliche Rente auf Dauer tragfähig halten soll, statt einzelne Symptome zu behandeln. Genau diese Ausgewogenheit macht das Paket aus meiner Sicht sinnvoll, auch wenn einzelne Maßnahmen für sich genommen unbequem sein mögen.

Ich kann Ihnen versichern: Für mich ist diese Reform eine notwendige, aber sozialverträglich zu gestaltende Antwort auf eine Entwicklung, die wir nicht länger vor uns herschieben können.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kießling MdB

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