Unterstützen Sie Reformen beim ÖRR: mehr Fokus auf Nachrichten/Bildung, weniger teure Unterhaltung, plus klare Regeln für KI-Inhalte und mehr Transparenz bei Ausgaben?
Ich bin Beitragszahler aus Hamburg und halte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich für wichtig. Gerade deshalb sehe ich dringenden Reformbedarf bei Transparenz und journalistischen Standards.
Im heute journal vom 15.02.2026 wurde ein KI-generiertes Video im Nachrichtenkontext gezeigt, ohne eindeutige Kennzeichnung. Besonders sensibel war die Szene mit Kindern. Zusätzlich wurde weiteres Bildmaterial verwendet, das laut übereinstimmender Berichterstattung aus dem Jahr 2022 stammt und nicht zum ICE-Kontext passte.
Solche Vorfälle werden häufig nachträglich als „technische Versehen“ erklärt. Aus Zuschauersicht beschädigt das massiv das Vertrauen. Viele Menschen können Quellen nicht selbst überprüfen und sind auf korrekte Einordnung angewiesen.
Ich wünsche mir keine Abschaffung des ÖRR, sondern Reformen: klare Kennzeichnungspflichten für KI- und Symbolmaterial, transparente Aufarbeitung und verbindliche Konsequenzen bei journalistischen Fehlleistungen.
Sehr geehrte Frau B.,
vielen Dank für Ihre wichtige Frage. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein zentraler Bestandteil unserer freiheitlichen Demokratie. Er steht für unabhängigen Qualitätsjournalismus und muss gerade in Zeiten von Desinformation und rasanter technischer Entwicklung ein verlässlicher Orientierungspunkt sein. Genau deshalb kann ich Ihre Irritation über den von Ihnen geschilderten Beitrag im heute journal gut nachvollziehen. Fehler bei der Einordnung von Bildmaterial oder der Einsatz von KI ohne klare Kennzeichnung dürfen nicht passieren – sie untergraben Vertrauen, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk zwingend braucht und in aller Regel auch zu Recht genießt. Gleichwohl möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Fehler auch (richtigerweise) sehr schnell eingestanden wurde.
Klar ist: Ein vertrauenswürdiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk setzt Transparenz, klare journalistische Standards und einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien voraus. Dazu gehören aus unserer Sicht verbindliche Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte und Symbolbilder sowie eine transparente Aufarbeitung von Fehlern.
Die Bundesländer haben mit den jüngsten Reformen des Medienstaatsvertrags – insbesondere durch den 6. und 7. Medienänderungsstaatsvertrag – bereits wichtige Schritte angestoßen. Dazu zählen unter anderem strengere Transparenzanforderungen, Regelungen zur Auffindbarkeit journalistisch relevanter Inhalte sowie erste Vorgaben im Umgang mit algorithmischen Systemen und KI. Diesen Weg gilt es konsequent weiterzugehen.
Gleichzeitig geht es um die richtige Balance im Programm. Der Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks liegt in Information, Bildung, Kultur und hochwertigem Journalismus. Auch Unterhaltung ist Teil des gesetzlichen Auftrags – sie darf aber nicht zulasten von Qualität, Profil und Akzeptanz gehen.
Zur Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört ganz selbstverständlich auch ein verantwortungsvoller Umgang mit Beitragsmitteln. Mehr Zusammenarbeit zwischen den Anstalten, die Nutzung von Synergien und eine Straffung von Strukturen und Formaten können helfen, effizienter zu arbeiten und Kosten zu begrenzen, ohne den Auftrag zu gefährden. Gleichzeitig steigt die Bedeutung regionaler Verankerung und Berichterstattung als ein unverzichtbarer Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Systems.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht schwächen, sondern so reformieren, dass er auch künftig breit akzeptiert, glaubwürdig und relevant bleibt. Er soll eine verlässliche Stimme in einer zunehmend unübersichtlichen Medienwelt bleiben.
Mit freundlichen Grüßen
Lena Zagst

