Kerstin Griese MdB
Kerstin Griese
SPD
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Frage von Martin M. •

Warum will die Regierung ständig im Ausland Fachkräfte gewinnen,wenn es doch in der BRD so genug Arbeitslose gibt?Will man sich darum drücken diese selbst aus-/weiterzubilden?Warum noch arbeiten?

Aus eigener Erfahrung weiß ich dass eine gute Ausbildung kein Garant für eine Arbeit ist.
Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und bekomme oft Absagen (meist ohne Begrüdung,selten mit der Antwort "zu wenig Berufserfahrung" aber wie soll man die auch ohne eine Chance auf Arbeit sammeln?!). Weiterbildungen durch das Jobcenter zu bekommen, ist oft auch nicht so einfach (hier wird versucht zu sparen wo es geht selbst wenn man riskiert dass jemand noch weitere Jahre arbeitslos ist) und wenn dann meist nicht ausreichend um Arbeitgeber zu beeindrucken.
Wenn die Regierung kein Vertrauen in die eigenen Arbeitssuchenden hat,warum sollte man sich dann noch bewerben und arbeiten,wenn stattdessen Konkurrenten importiert werden die möglicherweise bereit sind für weniger Gehalt zu arbeiten?
Warum versucht man nicht wie in Skandinavien die Langeitarbeitslosen so lange Stück für Stück weitzubilden bis ein Arbeitgeber eine Zusage erteilt? (https://bit.ly/48bwChz)

Kerstin Griese MdB
Antwort von
SPD

Sehr geehrter Herr M.,

Aus- und Weiterbildung ist tatsächlich ein entscheidender Baustein zur Fachkräftesicherung. Deswegen ist dies ein besonders wichtiges Element des in diesem Jahr eingeführten Bürgergeldes, mit dem der zuvor geltende „Vermittlungsvorrang“ abgeschafft ist. Stattdessen geht es um Qualifizierung, damit nachhaltige Arbeitsaufnahmen gestärkt werden. Teilnehmende an einer berufsabschlussbezogenen Weiterbildung erhalten ein monatliches Weiterbildungsgeld in Höhe von 150 Euro plus Prämien für den erfolgreichen Abschluss der Zwischen- und Abschlussprüfung. Zudem ist es jetzt möglich, bei Bedarf in drei Jahren eine Umschulung im Rahmen einer geförderten beruflichen Weiterbildung zu besuchen anstatt wie bisher in zwei Jahren. Für die Teilnahme an Maßnahmen, die für eine nachhaltige Integration von besonderer Bedeutung sind, gibt es einen Bürgergeldbonus in Höhe von monatlich 75 Euro.

Außerdem, und das ist ein großer Erfolg, wurde in diesem Sommer das Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung (kurz: Weiterbildungsgesetz) beschlossen. „Deutschland muss eine Weiterbildungsrepublik werden“, hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zur Begründung gesagt. Wir haben heute den höchsten Stand von Beschäftigung, den Deutschland je hatte: Es gibt 46 Millionen Erwerbstätige. Trotzdem werden in vielen Bereichen händeringend Arbeits- und Fachkräfte gesucht. Aus- und Weiterbildung müssen auch deshalb gelingen, damit alle Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Arbeit haben. Gleichzeitig benötigen die Unternehmen die helfenden Hände und klugen Köpfe, die unser Land zur Wohlstandssicherung braucht.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen, muss im Detail geklärt werden. Gerne können Sie mir eine E-Mail schreiben, damit ich mir Ihre Situation genauer anschauen kann.

Der in manchen Medien erweckte Eindruck, es gehe primär darum, Fachkräfte im Ausland zu gewinnen, ist falsch. Tatsache ist, dass die Fachkräftestrategie der Bundesregierung auf mehreren Säulen beruht: eine zeitgemäße Ausbildung, gezielte Weiterbildung, die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung insbesondere von Frauen und die Verbesserung der Arbeitsqualität – denn wir wollen alle inländischen Möglichkeiten zur Fachkräftesicherung ausschöpfen. Da dies allein aber nicht ausreichen wird, haben SPD, Grüne und FDP als fünfte Säule dafür gesorgt, dass wir endlich eine modernes Fachkräfteeinwanderungsgesetz haben, um unser Land endlich attraktiv für Arbeitskräfte aus dem Ausland zu machen.

Eines kann ich Ihnen versichern: Es wird keine Konkurrenz zwischen inländischen und zugewanderten Arbeitskräften geben. Denn unser Arbeitsmarkt benötigt alle Menschen. Auch die Gefahr eines ruinösen Lohndumpings ist durch den von der SPD durchgesetzten Mindestlohn – hier gibt es einen schrittweisen Anstieg von 9,82 Euro (1.1.2022) auf 12,41 Euro (1.1.2024) – ausgeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen

Kerstin Griese

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