Wie wollen Sie konkret dafür sorgen, dass Deutschland bei der Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen nicht länger den zweiten Platz im OECD-Vergleich belegt?
Laut OECD-Studie "Taxing Wages" (aktuellste Zahlen 2024) zahlt ein lediger Durchschnittsverdiener in Deutschland 47,9 % seines Bruttolohns an Steuern und Sozialabgaben (Tax Wedge). Höher ist die Belastung nur in Belgien mit 52,6 %. Der OECD-Schnitt liegt bei rund 35 % (BMF-Monatsbericht).
Vielen Dank für Ihre Frage. Die OECD-Zahlen sind korrekt und benennen ein echtes Problem: Wer in Deutschland arbeitet, behält zu wenig von dem, was er erarbeitet. Das ist ungerecht gegenüber den Beschäftigten und schadet uns im Wettbewerb um Fachkräfte. Arbeit muss sich in Deutschland wieder stärker lohnen.
Die Koalition hat eine Einkommensteuerreform auf den Weg gebracht, die in zwei Stufen wirkt. 2027 kommen Entlastungen von rund drei Milliarden Euro, ab 2028 summieren sie sich auf rund zehn Milliarden Euro jährlich, unter anderem durch einen höheren Grundfreibetrag und ein höheres Kindergeld. Das ist ein erster Schritt, mehr nicht. Der zweite Hebel liegt bei den Sozialabgaben, die im OECD-Vergleich den größeren Teil der Lücke ausmachen. Deshalb arbeiten wir an strukturellen Reformen in Rente, Gesundheit und Pflege, damit die Beitragssätze stabilisiert werden und nicht Jahr für Jahr weiter steigen. Dauerhaft niedrigere Abgaben setzen zudem wirtschaftliches Wachstum voraus. Dafür stehen der Investitionsbooster, der Bürokratieabbau und die beschlossenen Entlastungen für Unternehmen, die Spielräume für weitere Schritte bei der Einkommensteuer schaffen.
Mein Ziel ist klar: Die Belastung der arbeitenden Mitte muss spürbar sinken.

