Gesetz zur Einführung einer automatisierten Datenanalyse und zur Änderung weiterer polizeirechtlicher Vorschriften

In der Schlussabstimmung befasste sich das Parlament mit dem Gesetzentwurf zur Einführung einer automatisierten Datenanalyse und zur Änderung weiterer polizeirechtlicher Vorschriften. Ziel des Gesetzes ist es, bislang unverbundene Datenbestände des Polizeivollzugsdienstes rechtssicher in einer Analyseplattform zusammenzuführen und so eine effizientere Auswertung zu ermöglichen. Darüber hinaus schafft der Entwurf eine Rechtsgrundlage für die Nutzung der sogenannten Advanced-Mobile-Location-Technologie, mit der Standortdaten bei Notrufen automatisiert übermittelt werden können, um hilfesuchende Personen schneller zu lokalisieren. Schließlich stärkt das Gesetz die Befugnisse der Polizei zur eigenständigen Entwicklung und Erprobung informationstechnischer Produkte, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren. Dabei sollen klare rechtliche, technische und organisatorische Vorgaben ein hohes Datenschutzniveau sowie die Entwicklung diskriminierungsfreier IT-Anwendungen sicherstellen.

Politisch besonders umstritten war die Einführung der Analyseplattform, da sie als Voraussetzung für den Einsatz der umstrittenen Palantir-Software gilt. Kritiker:innen äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Grundrechtseingriffe, der Transparenz der Algorithmen sowie der Abhängigkeit von einem US-amerikanischen Anbieter. 

Der Gesetzentwurf wurde mit 113 Ja-Stimmen zu 22 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung von Pix Reinhold (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) angenommen.

Ebenfalls namentlich abgestimmt wurde über zwei Entschließungsanträge der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU sowie SPD. Die Ergebnisse dieser Abstimmungen sind unten unter "Weitere namentliche Abstimmungen" zu finden.

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Dafür gestimmt
113
Dagegen gestimmt
22
Enthalten
1
Nicht beteiligt
18
Abstimmungsverhalten von insgesamt 154 Abgeordneten.
Name Absteigend sortieren FraktionWahlkreisStimmverhalten
Portrait von Thomas PoreskiThomas PoreskiBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN60 - Reutlingen Dafür gestimmt
Portrait von Michael PreuschMichael PreuschCDU19 - Eppingen Dafür gestimmt
Portrait von Klaus RangerKlaus RangerSPD20 - Neckarsulm Dagegen gestimmt
Portrait von Patrick RappPatrick RappCDU48 - Breisgau Dafür gestimmt
Portrait von Nicole RazaviNicole RazaviCDU11 - Geislingen Dafür gestimmt
Portrait von Wolfgang ReinhartWolfgang ReinhartCDU23 - Main-Tauber Dafür gestimmt
Aus der Mitte. Mit Herz und Verstand.Niko ReithFDP/DVP55 - Tuttlingen-Donaueschingen Dafür gestimmt
Clara Resch MdL, HeidenheimClara ReschBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN24 - Heidenheim Dafür gestimmt
Portrait von Martin RivoirMartin RivoirSPD64 - Ulm Dagegen gestimmt
Portrait von Jan-Peter RödererJan-Peter RödererSPD41 - Sinsheim Dagegen gestimmt
Portrait von Gabi RollandGabi RollandSPD47 - Freiburg II Dagegen gestimmt
Portrait von Dr. Markus RöslerMarkus RöslerBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN13 - Vaihingen Dafür gestimmt
Portrait von Hans-Ulrich RülkeHans-Ulrich RülkeFDP/DVP42 - Pforzheim Dafür gestimmt
Portrait von Ruben RuppRuben RuppAfD25 - Schwäbisch Gmünd Nicht beteiligt
Portrait von Barbara SaebelBarbara SaebelBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN31 - Ettlingen Nicht beteiligt
Nadyne Saint-CastNadyne Saint-CastBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN47 - Freiburg II Nicht beteiligt
Alexander SalomonAlexander SalomonBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN28 - Karlsruhe II Dafür gestimmt
Portrait von Emil SänzeEmil SänzeAfD53 - Rottweil Dagegen gestimmt
Portrait von Volker SchebestaVolker SchebestaCDU51 - Offenburg Dafür gestimmt
Sandro ScheerAfD Dafür gestimmt
Portrait von Hans Dieter ScheererHans Dieter ScheererFDP/DVP6 - Leonberg Dafür gestimmt
Portrait von Katrin SchindeleKatrin SchindeleCDU45 - Freudenstadt Dafür gestimmt
Portrait von August SchulerAugust SchulerCDU69 - Ravensburg Dafür gestimmt
Portrait von Albrecht SchütteAlbrecht SchütteCDU41 - Sinsheim Dafür gestimmt
Portrait von Andrea SchwarzAndrea SchwarzBÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN30 - Bretten Dafür gestimmt

Weiterführende Links

Gesetzentwurf der Landesregierung

Plenarprotokoll der 134. Sitzung

Weitere namentliche Abstimmungen

Entschließungsantrag der Fraktionen GRÜNE und CDU: Die Fraktionen fordern dazu auf, bis spätestens 2030 eine Recherche- und Analyseplattform für die Polizei von europäischen Unternehmen bereitzustellen. Der Entschließungsantrag wurde mit 118 Ja-Stimmen zu 21 Nein-Stimmen bei keiner Enthaltung angenommen.

Entschließungsantrag der Fraktion der SPD: Die SPD-Fraktion fordert, auf die Nutzung des Softwareprodukts „Gotham“ sowie des Softwareprodukts „Foundry“ des Unternehmens Palantir Technologies GmbH zu verzichten, sämtliche rechtliche Möglichkeiten zu prüfen und zu nutzen, um die vertraglichen Verpflichtungen zu beenden und unverzüglich eine Ausschreibung zur Beschaffung einer europäischen verfahrensübergreifenden Recherche- und Analyseplattform einzuleiten. Der Entschließungsantrag wurde mit 113 Nein-Stimmen zu 21 Ja-Stimmen bei keiner Enthaltung abgelehnt.