Ska Keller, Bild: Dominik Butzmann
Ska Keller
Bündnis 90/Die Grünen

Frage an Ska Keller von Unegzhg Xboyvfpuxr bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

Sehr geehrte Frau Keller,

die EU hat kein Projekt einer gemeinsamen Sprache. Damit wird Verständigung sowohl zwischen Firmen, aber besonders unter den Bürgern behindert bzw. sogar verhindert.
Stilblüte sind Produktbeschreibungen und Verpackungen mit 14 oder mehr Sprachen.
Die wirtschaftlichen Verluste sind beträchtlich, die kulturellen nicht bezifferbar.

Ihr Wahlprogramm habe ich nur in deutsch gefunden. Sie selbst kommunizieren viel auf englisch (was ich sehr schlecht beherrsche, viele andere Menschen in meinem Umfeld ebenso). Andere Sprachen der EU werden von Ihnen somit diskriminiert.

Eine Variante in der internationalen Sprache Esperanto ( http://www.esperanto.de/ ) findet sich nicht.

Was haben Sie / Ihre Partei für (praktische) Lösungsansätze?

mfG
Hartmut Koblischke

Frage von Unegzhg Xboyvfpuxr
Antwort von Ska Keller
14. Mai 2014 - 11:38

Lieber Herr Koblischke,

vielen Dank für Ihre Anfrage.
Ich persönlich finde es sehr bereichernd, dass in der Europäischen Union die Sprachenvielfalt gelebt wird. Dazu gehört auch, dass neben den Nationalsprachen auch Minderheitensprachen und Dialekte anerkannt sind und ihre SprecherInnen das Recht und die Freiheit haben, sich in ihrer eigenen Sprache verständigen zu dürfen. Wir Grüne setzen uns deshalb für eine effektive Strategie zur Förderung der Regional- und Minderheitensprachen ein und sind der Meinung, dass die Politik hierfür eng mit den VertreterInnen der Minderheiten zusammenarbeiten muss.
Ich finde nicht, dass ein Mensch, der eine oder mehrere Sprachen in seiner alltäglichen Kommunikation bevorzugt, damit automatisch andere Sprachen diskriminiert. Natürlich ist es wichtig, die öffentliche und politische Debatte möglichst barrierefrei für alle Menschen gestalten zu können. Aus diesem Grunde gibt es im Europäischen Parlament zum Beispiel auch zahlreiche DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen, die für die reibungslose mündliche und schriftliche Kommunikation sorgen, was die politischen Inhalte auch für die breite Bevölkerung zugänglich macht. Aber dennoch finde ich nicht, dass eine aktive Diskriminierung gegenüber anderssprachigen SprecherInnen stattfindet, wenn ein Mensch sich seiner bevorzugten Sprache bedient.
Dennoch verstehe ich Ihr Argument, dass Sprachenvielfalt auch ein Hindernis darstellt. Die Idee, mit Esperanto eine neue Sprache zu schaffen, die alle Menschen für die friedliche Verständigung untereinander lernen sollen, ist dabei sehr schön. So gibt es beispielsweise auch eine aktive internationale Grüne Esperanto-Bewegung, die sich in der Vereinigung der Grünen EsperantistInnen (Asocio de Verduloj Esperantistaj, AVE) zusammengeschlossen hat. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, nicht nur Esperanto als Sprache zu benutzen, sondern auch innerhalb der Grünen über Esperanto sowie innerhalb der Esperanto-Bewegung über Grüne Themen zu informieren und wichtige Dokumente zu übersetzen. Die Vereinigung der Grünen EsperantistInnen ist der Meinung, dass Esperanto von der Grünen Bewegung unterstützt werden sollte, weil diese Sprache geschaffen wurde, um Frieden durch internationale Verständigung zu schaffen.
Obwohl ich dieses Ziel unterstütze, finde ich jedoch nicht, dass jeder Mensch unbedingt Esperanto lernen sollte. Denn meiner Meinung nach leben Sprachen von ihren Traditionen und sind ein wichtiger Kulturträger, den man nicht durch das Erlernen einer Plansprache ersetzen kann. Ich persönlich halte es für deutlich praktikabler, Englisch zu benutzen, da dieses als natürliche Sprache mit einer großen Zahl an MuttersprachlerInnen bereits weit verbreitet ist. Deshalb sollte gerade der Englischunterricht und das Erlernen dieser Sprache gefördert werden.
Das Manifest der Europäischen Grünen zur Europawahl finden Sie übrigens in 22 Sprachen sowie einer Audioversion auf der Website der Europäischen Grünen Partei unter diesem Link. Das Europawahlprogramm der deutschen Bündnisgrünen gibt es in Deutsch, in Leichter Sprache und als Hörbuch unter diesem Link.

Herzliche Grüße,
Ska Keller