Sascha Müller
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Frage von Israel G. •

Sind sie für oder gegen das an die Lebenserwartung gekoppelte Renteneintrittsalter?

Sehr geehrte Herr Müller,

als Handwerker wird es schwer werden überhaupt och effektiv zu arbeiten wenn man an der 60 kratzt. Auch jetzt schon merkt man es den älteren Kollegen an das sie leider keine richtige Hilfe mehr sind und lieber in den wohlverdienten Ruhestand gehen müssten. Ich arbeite seit meinem 15 Lebensjahr körperlich. Mit Ende 30 habe ich schon einige körperlichen Blessuren die mich daran hindern gewisse arbeiten so zu berichten wie ich es noch vor 10 Jahren konnte. Als Kassenpatient gibt es unser momentanes Gesundheitssystem nicht her so lange körperlich zu arbeiten. Ich hoffe meine Nachricht findet bei ihnen gehör und sie entscheiden sich gegen diese, meiner Meinung nach, wahnsinnigen Pläne.

Mit freundlichen Grüßen

Israel G.

Sascha Müller
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr G.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Die Frage, ob jemand "reif für die Rente" ist hängt an den individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen, nicht allein und schon gar nicht ausschließlich am Lebensalter. Die sog. "Rente mit 63", also eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, wird dem nach meiner Auffassung nicht und v.a. nicht zielgenau gerecht. Insbesondere jene mit weniger belastenden Berufen haben es leichter die Voraussetzungen dafür zu erfüllen, als jene, die körperlich und/oder geistig/seelisch stark beansprucht werden, da letztere häufiger gebrochene Erwerbsbiografien haben - nicht zuletzt, da sie häufiger krankheitsbedingt ausgefallen sind/ausfallen. Das beschreiben Sie ja sehr anschaulich.

Wir wollen zwar die "Rente mit 63" auslaufen lassen, aber wir wollen im Gegenzug leichtere Zugänge zur Erwerbsminderungsrente und neu eine sog. Überlastungsschutzrente für rentennahe Jahrgänge einführen. So bekommen wir beides unter einen Hut. Menschen mit gesundheitlichen Problemen können finanziell abgesichert kürzer treten oder aus dem Erwerbsleben ausscheiden und jene, die fit genug sind, müssen entweder Abstriche bei der Rente in Kauf nehmen oder weiterhin einer Erwerbsarbeit nachgehen.
Insgesamt ist unser Ziel das tatsächliche Renteneintrittsalter an das gesetzliche anzunähern. Das ist in den letzten Jahren zum Teil schon gelungen, aber das kann noch besser werden. Dafür sind aber auch mehr Anstrengungen in den Betrieben für Prävention und Arbeitsschutz notwendig.

Für eine über das aktuelle gesetzliche Renteneintrittsalter, das für den Jahrgang 1964 dann bei 67 Jahren liegen wird, hinausgehende Erhöhung wird diskutiert, eine Anhebung an die Lebenserwartung zu knüpfen - aber nicht 1:1 sondern so, dass pro weiterem statistischem Lebensjahr die Arbeitszeit um 8 Monate und die Rentenzeit um 4 Monate steigen würde. Das könnte ein möglicher Kompromiss sein. Da zuletzt die Lebenserwartung in Deutschland aber nur noch langsam gestiegen ist, würde sich eine deutliche Erhöhung des Renteneintrittsalters über die geplante 67 hinaus aber über einige Jahrzehnte hinziehen.

Viele weitere Details zu unseren Vorstellungen finden Sie zudem hier: https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/gesund-laenger-arbeiten-und-soziale-absicherung-staerken/

Mit freundlichen Grüßen
Sascha Müller

 

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