Sehen Sie die Gefahr nicht, wenn man die AfD weiter gewähren ließe?
Sehr geehrter Herr Helfrich,seit Amtsantritt von Friedrich Merz hat die AfD bei den Umfragewerten stetig zugelegt. Die Strategie „Wir regieren sie weg“ oder „Wir stellen sie inhaltlich“ scheitert.In einem rechtswissenschaftlichen Gutachten der Uni Köln vom August 2025 wird empfohlen, die Erstellung eines AfD-Verbotsantrags umgehend zu beginnen, siehe unten.Inzwischen ist sogar die Gefahr nicht abwegig, dass die AfD unsere Demokratie mit feindlichen Mächten von außen bekämpfen wird, siehe unten.Sind Sie bereit, uns mit einem AfD-Verbotsverfahren zu schützen oder wollen Sie „noch abwarten“, bis die AfD in Regierungsverantwortung ist und die Demokratie nach ihren Wünschen zerstören kann?https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/afd-verbot-gutachten-100.html
https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2025/12/12/afd-politiker-reise-maga-usa-trump-reisegruppe-allianz/
Sehr geehrte Frau D.,
ich teile Ihre Sorge um unser Land und die "Programmatik der AFD". Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes machen deutlich, wie weit sich die AfD von den Grundwerten unseres Grundgesetzes entfernt hat. Die propagierte Ausgrenzung von Minderheiten und die Missachtung der Menschenwürde sind mit unserem Verständnis einer freiheitlichen Demokratie unvereinbar.
Die Frage eines Parteiverbots ist in unserer Verfassungsordnung bewusst sehr hoch angesiedelt. Das Bundesverfassungsgericht hat in der Vergangenheit klare Kriterien aufgestellt, und die Hürden für ein Verbotsverfahren sind extrem hoch. Darüber hinaus birgt ein solcher Schritt immer auch das Risiko, dass sich die betroffene Partei in eine Opferrolle flüchtet und daraus politisches Kapital schlägt.
Ich stehe einem Verbotsverfahren offen gegenüber. Gleichzeitig plädiere ich dafür und arbeite daran, das Verfahren eines Parteiverbots zu reformieren. So wie es derzeit geregelt ist, hilft es am Ende nur den Verfassungsfeinden. Ein erneutes Scheitern in Karlsruhe wäre wegen der geringen Qualität des bisherigen Verfahrens fast schon vorprogrammiert. Wir brauchen deshalb ein Instrument, in dem eine unabhängige Instanz mit Ermittlungsbefugnis und -erfahrung – etwa ein Sonderermittler – die Sachverhaltsaufklärung übernimmt. Das leistet der Verfassungsschutz in seiner jetzigen Form nicht.
Unabhängig davon gilt für mich auch: Die AfD muss nicht juristisch „ausgeschaltet“, sondern politisch gestellt werden. Wir müssen sie mit besseren Argumenten, klarer Haltung und guter Politik in den Themen schlagen, die den Menschen in unserem Land wirklich wichtig sind: sichere Arbeitsplätze, bezahlbare Energie, eine starke Infrastruktur und die Verteidigung unserer Freiheit. Nur wenn wir aus der Mitte heraus überzeugen, nehmen wir der AfD den Boden, auf dem sie gedeiht.
Mit freundlichen Grüßen
Mark Helfrich

