Marc Bernhard
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AfD

Frage an Marc Bernhard von Qe. Neaq G. Znl bezüglich Gesundheit

04. Juni 2020 - 16:42

Im Zusammenhang mit der SARS-CoV-2 Pandemie wurde eine Überlastung des Gesundheitswesens durch mehr behandlungsbedürftige Personen mit COVID-19 befürchtet als bei allen Anstrengungen Behandlungskapazitäten zur Verfügung standen. Aktuell steht eine solche Überlastung des Gesundheitswesens kurzfristig nicht bevor.
Wie aber soll bei einer zukünftigen Überlastung des Gesundheitswesens entschieden werden? Nach welchen Kriterien soll zwischen Patientinnen und Patienten ausgewählt werden, wenn nicht für alle behandlungsbedürftigen Personen Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen?
Die DIVI (23.04.2020) und auch der Deutsche Ethikrat (27.03.2020) haben dazu das Konzept der ex-ante-Triage und als Verschärfung die Anwendung der ex-post-Triage vorgeschlagen.
Welche Meinung vertreten Sie zur ex-ante und ex-post-Triage?
Nach welchen Kriterien sollt über knappe und damit nicht ausreichende Behandlungskapazitäten im Gesundheitswesen entschieden werden?

Frage von Qe. Neaq G. Znl
Antwort von Marc Bernhard
22. Januar 2021 - 18:01
Zeit bis zur Antwort: 7 Monate 3 Wochen

Sehr geehrter Herr Dr. May,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Bundesregierung hat durch ihr zögerliches Vorgehen und die völlige Unterschätzung der Gefahren einer Pandemie die späteren harten Einschnitte in Grundrechte und Wirtschaftsleben und eine drohende Überlastung des Gesundheitssystems zu verantworten. Wichtige Instrumente zur Bewältigung der Corona-Krise, beispielsweise die Beschaffung von medizinischem Material sowie die Steigerung der Intensivbetten, waren von Beginn der Pandemie von zahlreichen Pleiten und Pannen begleitet. Bereits 2013 entwickelte das Robert Koch-Institut ein Pandemie-Szenario, wie es 2020 in weiten Teilen Realität geworden ist – ohne dass die Regierung seitdem entsprechende Vorkehrungen getroffen hätte.
Der Begriff der Triage entstand ursprünglich in der Militärmedizin und bezeichnet ein Verfahren, nach dem medizinische Hilfeleistungen priorisiert werden, wenn die Anzahl der Hilfebedürftigen die vorhandenen personellen oder materiellen Ressourcen übersteigt.
Ex-Ante-Triage beschreibt dabei die Situation, wenn mehr Patienten eintreffen als Behandlungsmöglichkeiten bestehen und somit auszuwählen, wer behandelt wird.
Im Gegenzug dazu wird mit dem Begriff der Ex-Post-Triage der Behandlungsabbruch zugunsten neu ankommender Patienten bezeichnet, bei denen die Erfolgsaussichten der Behandlung wahrscheinlicher sind.
Die Situation der Triage ist eine Entscheidung, die kein Mensch - weder Arzt noch Jurist oder Politiker - hofft, jemals treffen zu müssen. Wer kann und darf über die Abwertung eines Lebens zugunsten eines anderen Lebens entscheiden? Letztendlich ist es eine einsame medizinische Entscheidung, deren Verantwortung beim Handelnden liegt und von keinem anderen übernommen werden kann.
Unser Gesundheitssystem ist und muss weiterhin so aufgebaut sein, dass es jederzeit in der Lage ist, alle behandlungsbedürftigen Menschen zu versorgen. Dazu müssen Reserven an Medikamenten, Schutzausrüstungen und Medizintechnik vorgehalten werden, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Wichtig dabei ist auch, dass sich der Staat bei der Herstellung medizinischer Produkte nicht von anderen Staaten abhängig macht, so wie wir es jetzt erlebt haben. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass geplante Operationen und Behandlungen abgesagt wurden und viele Menschen nach wie vor Arztpraxen und Krankenhäuser trotz Beschwerden nicht aufsuchen. Das kann auch als eine Form der Auswahl angesehen werden, was aber zukünftig vermieden werden muss.
Rückblickend wird es notwendig werden, alle getroffenen Maßnahmen auf ihre Notwendigkeit und Angemessenheit zu bewerten, um für weitere Erkrankungen gerüstet zu sein, die sich weltweit ausbreiten werden. Die einzige erkennbare Strategie der politischen Verantwortungsträger besteht in einer Aneinanderreihung von Lockdowns, deren Wirksamkeit in der Wissenschaft immer umstrittener ist. Diese ohne wissenschaftliche Evidenz verordneten Maßnahmen unterstreichen einzig und allein die Hilflosigkeit sowie den politischen Aktionismus von Angela Merkel und den Ministerpräsidenten und deren Unfähigkeit zur seriösen Fehleranalyse. Von einem wirksamen Gesundheitsschutz kann nicht die Rede sein.

Herzliche Grüße
Ihr
Marc Bernhard, MdB
Sprecher der Landesgruppe Baden-Württemberg der AfD Bundestagsfraktion