Sollen Menschen in Zukunft über 50 Jahre arbeiten? Soll ein Rentenbeginn ab 70 eingeführt werden?
Guten Tag, ich arbeite seit ich 17 Jahre alt bin, Jahrgang 1980. Ich würde also evtl. eine erste Rentenzahlung nach ca. 53 Berufsjahren erhalten? Ich gehe davon aus, dass ich vorher evtl. versterben werde. Finden Sie das gerecht?
Sehr geehrte Frau P.,
wer seit dem 17. Lebensjahr arbeitet, hat unserem Land über Jahrzehnte hinweg Leistung, Beiträge und Verlässlichkeit gegeben. Eine solche Erwerbsbiografie verdient Respekt.
Es macht einen Unterschied, ob jemand mit 17 in Ausbildung und Arbeit startet, körperlich belastend arbeitet oder erst viele Jahre später ins Erwerbsleben eintritt. Gerechtigkeit heißt für mich: Lebensleistung muss zählen. Wer sehr lange gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, braucht verlässliche Perspektiven.
Nach der derzeitigen Rechtslage liegt die Regelaltersgrenze für jüngere Jahrgänge bei 67 Jahren. Zugleich gibt es für besonders langjährig Versicherte nach 45 Versicherungsjahren die Möglichkeit, früher abschlagsfrei in Rente zu gehen. Solche Regelungen sind wichtig, weil sie anerkennen, dass lange Beitragszeiten etwas anderes sind als eine rein rechnerische Altersgrenze.
Es gibt fachliche Vorschläge, das Renteneintrittsalter langfristig stärker an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Auch über mögliche Empfehlungen der Rentenkommission wird öffentlich spekuliert. Einen beschlossenen Regierungsplan für eine pauschale Rente mit 70 gibt es derzeit nicht.
Gleichzeitig müssen wir ehrlich über die demografische Entwicklung sprechen. Unsere Gesellschaft wird älter, die Rentenbezugszeiten steigen, und zugleich kommen weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nach. So zu tun, als könne dauerhaft alles bleiben wie es ist, ist nicht ehrlich gegenüber den Rentnerinnen und Rentnern von heute – und nicht gegenüber der jüngeren Generation.
Eine Rentenpolitik mit Augenmaß darf Menschen nicht überfordern. Sie muss unterscheiden zwischen Büro und Bau, zwischen gesunden und gesundheitlich angeschlagenen Menschen, zwischen kurzen und sehr langen Erwerbsbiografien.
Deshalb halte nichts von einer pauschalen und schematischen Rente mit 70 für alle. Ja, wir müssen über die langfristige Stabilität unseres Rentensystems sprechen. Aber dabei müssen Lebensleistung, Beitragsjahre, Gesundheit, berufliche Belastung und Freiwilligkeit stärker zählen als eine starre Altersgrenze.
Freundliche Grüße
Manuel Hagel MdL

