Vermögens- und Erbschaftssteuer - Wann wird das Thema Vermögens- und Erbschaftssteuer für Superreiche endlich aus der "Schmuddelecke" geholt und ernsthaft und medienwirksam diskutiert?
Sehr geehrte Frau Drögen,
das Aufstiegsversprechen in westlichen Gesellschaften ist gefühlt "futsch". Vor dem Hintergrund der schwächelnden Wirtschaftsentwicklung mehren sich auch international die Wünsche nach einer fairen Besteuerung von Vermögen und Erbschaften (Beispiel: Garys Economcs auf Youtube).
Eine Leistungsgesellschaft heißt doch: Hohe Steuern auf Vermögen und Erbschaften, geringe Steuern auf Einkommen (letzteres liefert einen Arbeitsanreiz und senkt außerdem Lohnkosten - das kurbelt die Wirtschaft an!).
Es ist offensichtlich, dass eine Fehlallokation abläuft, die zu unverdienten Vermögenskonzentrationen führt. Daraus lässt sich eine hohe, ungerechtfertigte Mehrwertabschöpfung ableiten (auch wenn sie schwer exakt quanitifzierbar ist).
Wann wird das Thema Vermögens- und Erbschaftssteuer für Superreiche endlich aus der "Schmuddelecke" geholt und ernsthaft und medienwirksam diskutiert?
Lieber Herr W.,
vielen Dank für Ihre Nachricht!
Wie Sie halten wir eine Reform hin zu einem faireren Steuersystem für dringend notwendig. Einkommen und Vermögen müssen gerechter verteilt werden. Stärkere Schultern sollen mehr tragen, und Menschen mit geringen Einkommen sollen sich weniger Sorgen um ihren nächsten Kontoauszug machen müssen. Faire Besteuerung schafft mehr Gerechtigkeit, stärkt das Vertrauen in den Staat und ermöglicht die Einnahme eines zusätzlichen jährlichen Betrags in zweistelliger Milliardenhöhe für das Gemeinwohl – Geld, das für mehr gemeinsamen Wohlstand, wie bessere Bildung und Aufstiegschancen, verwendet werden kann.
Ein erheblicher Teil der großen Vermögen in Deutschland stammt nicht aus eigener Arbeit, sondern aus Erbschaften. Wir Grünen im Bundestag wollen die Erbschaftsteuer daher einfacher und gerechter machen.
Wir wollen als erstes offensichtliche Gerechtigkeitslücken bei der Erbschaftssteuer schließen. Wer mehr als 26 Millionen erbt, muss in Deutschland oft keinen Cent Erbschaftsteuer bezahlen. Das ist ungerecht. Wir wollen diese Ausnahmen für Superreiche abschaffen.
Außerdem müssen Gerechtigkeitslücken bei der Immobilienbesteuerung geschlossen werden. Die Spekulationsfrist von 10 Jahren bei der Einkommensteuer für nicht selbst genutzte Immobilien muss abgeschafft werden. Wir setzen uns dafür ein, Gewinne aus Immobilienverkäufen wie andere Einnahmen zu besteuern. Kapitalgesellschaften sollen stets Gewerbesteuer auch auf Mieterträge zahlen. Lücken bei „Share Deals“ bei der Grunderwerbsteuer, die die Steuerkasse pro Jahr etwa eine Milliarde Euro kosten, müssen geschlossen werden.
Schließlich wollen wir Kapitalerträge fair besteuern und die Ungleichbehandlung von Löhnen und Gehältern auf der einen und Kapitalerträgen auf der anderen Seite beenden und Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowerten regulär besteuern.
Viele Grüße
Team Dröge
