Welche Konzepte sehen Sie, um Wertschöpfung neu zu denken und Teilhabe zu stärken, wenn KI und Automatisierung klassische Arbeit zunehmend ersetzen?
Automatisierung und KI verändern nicht nur Arbeitsmärkte, sondern unser Verständnis von Wertschöpfung selbst. Wenn immer weniger menschliche Arbeit produktionsrelevant ist, verliert ein rein kapitalistisches Modell, das auf Lohnarbeit, Kaufkraft und stetigem Konsum basiert, an Tragfähigkeit.
Wir brauchen daher neue gesellschaftliche Konzepte, die Teilhabe, Wissen, Kreativität und Mitgestaltung stärker in den Mittelpunkt stellen. In einer Wissens- und KI-Gesellschaft entsteht Wert nicht nur durch Erwerbsarbeit, sondern durch soziale Beiträge, Bildung, Innovation, Fürsorge, Gemeinwohlarbeit und demokratische Beteiligung.
Damit dieser Wandel gelingt, braucht es einen modernen Sozialstaat, der Sicherheit gibt, Übergänge ermöglicht und niemanden zurücklässt. Eine Gesellschaft, die Teilhabe statt Konkurrenz fördert, kann den technologischen Umbruch stabil, gerecht und zukunftsfähig gestalten.
Die Entwicklung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz revolutioniert vieles - aber nicht die Wertschöpfung im Kapitalismus. Weiterhin liegt der Gewinn in der Aneignung menschlicher Arbeit (hier: riesiger Mengen von Wissen und Kreativität) zum Profit eines Einzelnen (hier: Der Besitzer einer KI-Tools).
So viel zur Theorie. Sie fragen aber wahrscheinlich auch, was wir mit denen machen sollen, die ihre Arbeit an KI-Systeme verlieren. Wenn technischer Fortschritt Produktivität steigert, dann muss diese gewonnene Zeit der Gesellschaft gehören – etwa durch kürzere Arbeitszeiten statt Arbeitslosigkeit. Wenn KI-Systeme Arbeit ersetzt, dann ist es absurd, einen Teil der Menschen in Vollzeit arbeiten zu lassen und den anderen Teil für «überflüssig» zu erklären. Auch fordern wir als Linke ein bedingungsloses Grundeinkommen - ein individuell garantiertes Recht auf ein Einkommen in einer existenz- und teilhabesichernden Höhe, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Arbeit oder zu einer anderen Gegenleistung.
Die zentrale Frage ist gar nicht, wie wir unsere Arbeitswelt an KI-Systeme anpassen, sondern: Wem gehören die KI-Systeme? Das ist eine Machtfrage. Wir sagen: KI-Systeme und ihre Gewinne müssen demokratisch kontrolliert werden – durch öffentliche Institutionen, Genossenschaften oder kollektives Eigentum.

