Wie wollen Sie verhindern, dass die GKV-Reformen die Versorgung chronisch kranker Menschen verschlechtern?
Sehr geehrte Frau Winkelmeier-Becker,
ich bin Bürgerin Ihres Wahlkreises und chronisch erkrankt. Schon heute ist es für viele Patientinnen und Patienten schwierig, zeitnah Termine bei Ärzten und Therapeutinnen bzw. Therapeuten zu erhalten.
Ich mache mir Sorgen, dass die geplanten Änderungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung die wirtschaftliche Situation vieler Praxen weiter verschlechtern und dadurch weniger Patientinnen und Patienten versorgt werden können.
Wie stehen Sie zu dieser Sorge? Welche konkreten Maßnahmen werden Sie unterstützen, damit die ambulante Versorgung erhalten bleibt und chronisch kranke Menschen auch künftig ausreichend behandelt werden können?
Sehr geehrte Frau B.,
Vielen Dank für Ihre Frage.
Ausgangspunkt der Reform ist die schwierige finanzielle Lage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Ohne eine Reform würde die jährliche Deckungslücke bis 2030 auf bis zu 40 Mrd. Euro anwachsen, entsprechend müsste der Zusatzbeitrag für die Versicherten von derzeit 2,9 auf 4,7 % ansteigen. Ziel der Reform ist eine verantwortungsvolle, nachhaltige Finanzierung bei gleichzeitig hohem Leistungsniveau. Einnahmen und Ausgaben müssen dazu auf Dauer wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden. Es bleibt aber dabei, dass täglich über 1 Mrd. Euro für die Gesundheitsversorgung durch die GKV zur Verfügung stehen und auch künftig Steigerungen möglich bleiben in dem Maße, wie auch das Beitragsaufkommen wächst. Ein guter Teil der Einsparungen soll durch effizientere Verwendung von Ressourcen und Vermeidung von Doppelstrukturen erzielt werden. Einige Leistungen, vor allem diejenigen, deren Wirkung nicht wissenschaftlich belegt ist, werden nicht mehr angeboten werden. Außerdem werden die üblichen Zuzahlungen erhöht; allerdings bleibt die Deckelung der Eigenbeteiligung für chronisch erkrankte Menschen in Höhe von 1 % des Bruttoeinkommens bestehen. Insgesamt wird die Reform deshalb vermutlich insgesamt weniger spürbar, als einige heute befürchten. Unabhängig davon werden nach Inkrafttreten des Gesetzes die Auswirkungen und Rückmeldungen aus der Praxis auch ständig im Blick behalten.
Mit freundlichen Grüßen
Elisabeth Winkelmeier-Becker

