Wie stehen sie zur Kopplung der Rente an die Alterserwartung?
Sehr geehrter Frau Türk Nachbauer,
wie stehen Sie zur Kopplung der Rente an die Alterserwartung?
Ich bitte auch um Erklärung, wie ein höheres Renteneintrittsalter jemand erleben soll, der sein Lebtag schwer körperlich gearbeitet hat!?
45 Jahre sollten ausreichend sein um eine auskömmliche Rente zu erarbeiten. In anderen Ländern funktioniert das auch warum nicht bei uns?
Mit freundlichen Grüßen
Karin B
Die Alterssicherungskommission hat ein umfassendes Paket vorgelegt. 33 Empfehlungen, die aufeinander aufbauen und als Ganzes gedacht werden müssen. Das ist die richtige Herangehensweise für eine der größten Reformen unseres Sozialstaats.
Zwei Punkte verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit: die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und der Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Das Gesamtpaket bringt spürbare Verbesserungen, gerade für jüngere Generationen. Das Rentenniveau soll langfristig steigen. Das ist eine gute Nachricht und ein wichtiger Fortschritt gegenüber dem Status quo.
Gleichzeitig gilt aber, dass die Lebenserwartung und gesundheitliche Belastung im Erwerbsleben sich je nach Beruf erheblich unterscheiden . Wer mit 18 auf dem Bau anfängt oder in der Pflege arbeitet, leistet oft mehr Jahre am Stück bei kürzerer Lebenserwartung als Menschen in weniger belastenden Berufen. Bei der konkreten Ausgestaltung der Kopplung muss dieser Unterschied mitgedacht werden, damit die Reform nicht ausgerechnet die am härtesten trifft, die ihr Leben lang körperlich schwer gearbeitet haben.
Wichtig bleibt mir deshalb: Wer 45 Jahre gearbeitet und eingezahlt hat, muss auch künftig eine verlässliche Perspektive auf einen abschlagsfreien Renteneintritt haben. Das ist eine Frage von Respekt vor Lebensleistung.
Ein höheres Renteneintrittsalter allein löst die Finanzierungsfrage nicht, das muss uns allen klar sein. Eine breitere, gerechtere Finanzierungsbasis gehört als zweite Säule zu jeder nachhaltigen Reform.

