3€-EU Zoll auf gebrauchte Bücher: Aus Ihrer Sicht sinnvoll und "Schutz der Verbraucher"?
Hallo Frau Türk-Nachbaur,
ich habe die Debatte rund um die Abschaffung der Zollfreigrenzen aufmerksam beobachtet. Sie, sowie Ihr Parteivorsitzender, haben sich mehrfach dafür ausgesprochen, die Zollfreigrenze iHv 150€ für Produkte aus dem Nicht-EU-Ausland abzuschaffen, und pauschal 3€ zu besteuern. Ich bestelle mir regelmäßige gebrauchte Bücher aus der Schweiz, die es in DE nicht gibt (Wert: 5-10€). Jetzt habe ich eine Rechnung von 3€ + 5€ Bearbeitungsgebühr bekommen. Heißt faktisch: der Zoll ist höher als der Wert des Buches.
Können Sie mir erklären, wie diese Steuer sinnvoll ist und mich als "Konsument" schützt? Alles was ich sehe, ist dass sich Bücher nun verdoppelt haben im Preis. Danke für Ihre Antwort im Voraus
Vielen Dank für Ihre Frage.
Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie die zusätzlichen Kosten bei einem gebrauchten Buch mit einem Warenwert von nur wenigen Euro als unverhältnismäßig empfinden.
Zum Hintergrund: Bis Ende Juni galt eine Zollfreigrenze von 150 Euro für Sendungen aus Nicht-EU-Ländern. Seit dem 1. Juli ist die weggefallen. Stattdessen wird pauschal eine Abgabe von 3 Euro pro Warenkategorie erhoben, unabhängig vom tatsächlichen Warenwert.
Der Grund dafür: Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress haben die alte Freigrenze massiv genutzt. 2025 kamen rund 5,8 Milliarden Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU, über 90 Prozent davon aus China. Das war ein Wettbewerbsnachteil für europäische Händler, die schon immer Zoll zahlen mussten. Zusätzlich fanden sich in solchen Sendungen häufig Produkte, die nicht den EU-Sicherheitsstandards entsprachen.
Das Ziel dahinter finde ich richtig: gleiche Wettbewerbsbedingungen für den europäischen Handel und besserer Schutz vor unsicheren Produkten. Die Regelung richtet sich nicht gegen Menschen, die einzelne Bücher oder andere Waren für den privaten Gebrauch bestellen.
Trotzdem zeigt Ihr Beispiel eine echte Schwachstelle: Die Pauschale wird nach Warenkategorie berechnet, nicht nach Wert. Bei einem Buch für wenige Euro macht das einen viel größeren Anteil aus als bei einer teureren Bestellung, gerade wenn zusätzlich noch Bearbeitungsgebühren erhoben werden. Das trifft am Ende die Falschen: nicht die Billigplattformen, sondern einzelne Käuferinnen und Käufer mit kleinen, harmlosen Bestellungen.
Genau solche Rückmeldungen aus der Praxis sind wichtig. Sie zeigen, wo eine gut gemeinte Regelung im Einzelfall nachjustiert werden müsste.

