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Andrej Hunko
DIE LINKE
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Die Struktur des dualen Gesundheitssystems aus GKV und PKV führt zwangsläufig zu einer Ungleichbehandlung von Patienten. Wie stehen Sie zu einer möglichen Abschaffung dieses Systems?

Sehr geehrter Herr Hunko,

die Struktur des dualen Gesundheitssystems aus gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) führt zwangsläufig zu einer Ungleichbehandlung von Patienten. Wie stehen Sie zu einer möglichen Abschaffung dieses Systems?

Mit schönem Dank im Voraus,
Thorsten F., Aachen

Frage von Thorsten F. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 6 Tage 1 Stunde

Sehr geehrter Herr F.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich teile Ihre Einschätzung, dass das duale Gesundheitssystem zu einer Ungleichbehandlung von Patienten und somit zur Entstehung und Verfestigung einer Zwei-Klassen-Medizin führt. Zudem ist das aktuelle System sozial ungerecht: Einige, vor allem wohlhabende Bevölkerungsgruppen können sich aus der Solidarität in die private Krankenversicherung verabschieden. Das führt zu einer absurden Situation: diejenigen, denen es finanziell am besten geht, beteiligen sich oftmals gar nicht an der Finanzierung des solidarischen Krankenkassensystems. Den gesetzlichen Krankenkassen fehlt es deshalb an Mitteln, wodurch letztendlich die Qualität unserer Gesundheitsversorgung insgesamt leidet.

Deshalb fordert DIE LINKE die Abschaffung dieser Zwei-Klassen-Medizin. Stattdessen schlagen wir vor, dass sich alle in Deutschland lebenden Menschen nach ihrem Einkommen an der Finanzierung des Gesundheitssystems beteiligen. Dafür haben wir das Konzept der Solidarischen Gesundheitsversicherung entwickelt. Dieses sieht die Einbeziehung aller Einkommensarten vor: Alle, auch die heute privat Versicherten, zahlen entsprechend ihrem gesamten Einkommen aus Löhnen, Honoraren sowie Miet-, Pacht- und Kapitalerträgen in die solid. Gesundheitsversicherung ein.

Zudem fordern wir die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze, damit sich der Beitrag künftig nach der finanziellen Leistungsfähigkeit richtet: Wer wenig hat, zahlt wenig, wer mehr hat, zahlt mehr. Denn wegen der Beitragsbemessungsgrenze zahlen Gutverdienende bislang prozentual weniger als Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen.

Dieses Konzept würde nicht nur für mehr Gerechtigkeit sorgen, sondern auch dafür, dass die Beitragssätze für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sinken. Diesen entlastenden Effekt wollen wir durch die Abschaffung von Zuzahlungen zusätzlich verstärken.

Die private Krankenversicherung wäre dann als Vollversicherung abgeschafft und auf medizinisch nicht notwendige Zusatzversicherungen beschränkt. Das in Europa einzigartige Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung wäre damit beendet.

Mit besten Grüßen

Andrej Hunko

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