Könnten Sie uns Psychotherapeut*innen dabei unterstützten, dass das Bundesgesundheitsministerium den Beschluss des Bewertungsausschusses beanstandet?
Sehr geehrte Frau Brugger,
mit großem Schock habe ich von der Kürzung der Honorare um 4,5 % für Psychotherapeut*innen erfahren. Neben den gesteigerten Energiekosten und der Inflation sind es auch enorme Langzeitkosten (langer und teurer Ausbildungsweg, teure Kassensitzübernahme), die mit dem Berufsziel verbunden sind. Seit Jahren kämpfen Psychotherapeut*innen für eine Angleichung der Honorare an Fachärzt*innen, diese fallen jedoch weiterhin deutlich geringer aus. Jetzt soll an unseren Honoraren gespart werden, jedoch würde das keinen nennenswerten Nutzen bringen, sondern eine Verschlimmerung der Versorgungssituation und längere Krankenzeiten und Klinikkosten. Die Rechnung geht auch wirtschaftlich nicht auf. Die Verbände kritisieren das Vorgehen zutiefst, auch ich, als angehende Psychotherapeutin bin schon jetzt davon betroffen und möchte mich hiermit an Sie wenden, dass Sie bei den zuständigen Gesundheitspolitiker*innen ihrer Partei Druck für unsere Sache machen. Herzliches Dankeschön!
Sehr geehrte Frau E.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie Ihre Sorgen als angehende Psychotherapeutin so deutlich schildern.
Die am 11. März beschlossene Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ist aus unserer Sicht ein fatales Signal – gerade in einer Zeit, in der psychische Krisen zunehmen, der Bedarf an Unterstützung steigt und viele Patient*innen ohnehin schon viel zu lange auf einen Therapieplatz warten.
Dass ausgerechnet unter diesen Bedingungen psychotherapeutische Praxen zusätzlich wirtschaftlich unter Druck geraten, ist gesundheitspolitisch hoch problematisch und aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Die Kürzung verschärft die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter und kann den Zugang zu Therapie zusätzlich erschweren. Zugleich bleibt eine dringend notwendige strukturelle Reform weiter aus. Aus Sicht der Grünen Bundestagsfraktion versäumt es die Bundesregierung bislang, die nötigen Schritte zu gehen, um die Bedarfsplanung zu modernisieren, die Versorgung nachhaltig zu stärken und die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung verlässlich abzusichern.
Frau Brugger ist selbst für gesundheitspolitische Themen zwar nicht fachlich zuständig, ihre Fraktionskolleg*innen – allen voran Kirsten Kappert-Gonther – haben den Prozess jedoch aufmerksam wie kritisch begleitet und sich öffentlich klar positioniert. Die Grüne Bundestagsfraktion hat darüber hinaus am 24.03.26 einen Eilantrag in den Deutschen Bundestag eingebracht, in dem sie fordert, die psychotherapeutische Versorgung strukturell zu stärken und die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung endlich abzusichern. Bereits zuvor haben wir uns mit parlamentarischen Initiativen für bessere Zugänge und verlässlichere Rahmenbedingungen in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen eingesetzt.
Grundsätzlich sind Honorarentscheidungen Angelegenheit der gemeinsamen Selbstverwaltung, und es ist richtig, dass diese nicht unmittelbar politisch festgelegt werden. Das heißt aber nicht, dass die Politik hier einfach wegsehen darf. Im Gegenteil: Die aktuelle Entwicklung zeigt sehr deutlich, wie dringend tragfähige Reformen gebraucht werden. Frau Brugger und ihre fachlich zuständigen Fraktionskolleg*innen werden die weiteren Entwicklungen daher aufmerksam begleiten und uns auch aus der Opposition heraus weiter für tragfähige Verbesserungen in der psychotherapeutischen Versorgung einsetzen.
Vielen Dank noch einmal für Ihre Nachricht und für Ihr Engagement!
Mit freundlichen Grüßen
Team Agnieszka Brugger

