Parlamentsreform im Landtag von Sachsen-Anhalt

Im Landtag von Sachsen-Anhalt wurde ein gemeinsamer Gesetzentwurf der Fraktionen von CDU, Die Linke, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Parlamentsreform 2026 verabschiedet. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der staatlichen Organe auch in einer zunehmend fragmentierten und polarisierten Parteienlandschaft zu sichern.

Die Reform umfasst zahlreiche Änderungen auf verschiedenen Ebenen. Ein zentraler Punkt ist die Anpassung der Landesverfassung. So werden insbesondere die Regelungen zur Wahl, Zusammensetzung und Arbeitsweise des Landesverfassungsgerichts präzisiert und gestärkt, um dessen Unabhängigkeit langfristig zu gewährleisten. Künftig gilt: Kommt im Landtag bei der Wahl von Verfassungsrichter:innen keine Zwei-Drittel-Mehrheit zustande, kann das Gericht eigene Personalvorschläge unterbreiten; gewählt wird dann mit einfacher Mehrheit der Abgeordneten. Auch bei der Immunität von Abgeordneten sowie bei Verfahren zur Festlegung von Neuwahlen gibt es Änderungen. Zudem wird festgelegt, dass die Kündigung von Staatsverträgen (z.B. Rundfunkstaatsverträge) künftig der Zustimmung des Landtags bedarf und nicht mehr allein durch den:die Ministerpräsident:in erfolgen kann. Der Fortbestand der Landeszentrale für politische Bildung wird darüber hinaus gesetzlich abgesichert.

Neben den Verfassungsänderungen sieht das Gesetz auch Anpassungen im einfachen Recht vor. Dazu zählen Änderungen am Abgeordnetengesetz, etwa bei der Kostenerstattung für Mitarbeitende, sowie am Fraktionsgesetz, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit Fraktionsmitteln. Zukünftig sind sogenannte Überkreuzanstellungen von Familienangehörigen anderer Parlamentarier:innen verboten und die Anzahl der Mitarbeitenden auf fünf pro Abgeordnete:n begrenzt.

Auch die Geschäftsordnung des Landtags wird in mehreren Punkten überarbeitet, beispielsweise bei Wahlverfahren, der Zusammensetzung von Gremien oder der Organisation parlamentarischer Abläufe. Bei der Wahl des oder der Landtagspräsident:in können künftig auch andere Fraktionen Kandidat:innen bestimmten, wenn der Vorschlag der stärksten Fraktion scheitert. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Verfahren klarer zu regeln, effizienter zu gestalten und mögliche Blockaden zu vermeiden, damit die Arbeitsfähigkeit des Parlaments gesichert ist. 

Der Gesetzentwurf wurde in namentlicher Abstimmung mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Die Zweidrittelmehrheit war notwendig, da der Gesetzentwurf auch Änderungen der Landesverfassung enthält. Für den Entwurf stimmten 72 Abgeordnete aus den beteiligten Fraktionen sowie die fraktionslose Abgeordnete Henriette Quade. Gegen den Gesetzentwurf votierten 22 Abgeordnete, darunter die AfD-Fraktion und der fraktionslose Abgeordnete Matthias Lieschke.

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Dafür gestimmt
72
Dagegen gestimmt
22
Enthalten
0
Nicht beteiligt
3
Abstimmungsverhalten von insgesamt 97 Abgeordneten.
Name Absteigend sortieren FraktionWahlkreisStimmverhalten
Portrait von Kristin HeißKristin HeißDIE LINKE8 - Wolmirstedt Dafür gestimmt
Portrait von Guido HenkeGuido HenkeDIE LINKE Dafür gestimmt
Portrait von Andreas HenkeAndreas HenkeDIE LINKE Dafür gestimmt
Guido HeuerCDU9 - Oschersleben-Wanzleben Dafür gestimmt
Portrait von Sandra Hietel-HeuerSandra Hietel-HeuerCDU2 - Gardelegen-Klötze Dafür gestimmt
Monika HohmannMonika HohmannDIE LINKE Dafür gestimmt
Portrait von Holger HövelmannHolger HövelmannSPD27 - Dessau-Roßlau-Wittenberg Dafür gestimmt
Portrait von Lydia HüskensLydia HüskensFDP Dafür gestimmt
Porträtbild, blaues Kostüm, weiße BluseAnne-Marie KedingCDU12 - Magdeburg III Dafür gestimmt
Portrait von Thomas KeindorfThomas KeindorfCDU38 - Halle IV Dafür gestimmt
Portrait von Oliver KirchnerOliver KirchnerAfD Dagegen gestimmt
Juliane Kleemann, SPD-Landtagskandidatin in Sachsen-Anhalt, Wahlkreis StendalJuliane KleemannSPD Dafür gestimmt
Mathias KnispelAfD Dagegen gestimmt
Portrait von Hagen KohlHagen KohlAfD Dagegen gestimmt
Portrait von Gordon KöhlerGordon KöhlerAfD Dagegen gestimmt
Portrait von Nadine KoppehelNadine KoppehelAfD Dagegen gestimmt
Portrait von Guido KosmehlGuido KosmehlFDP Dafür gestimmt
Portrait von Dietmar KrauseDietmar KrauseCDU23 - Zerbst Dafür gestimmt
Thomas KrügerCDU14 - Halberstadt Dafür gestimmt
Tobias Krull Tobias KrullCDU11 - Magdeburg II Dafür gestimmt
Portrait von Xenia Sabrina KühnXenia Sabrina KühnCDU4 - Stendal Nicht beteiligt
Portrait von Markus KurzeMarkus KurzeCDU6 - Burg Nicht beteiligt
Kandidatenbild Hendrik LangeHendrik LangeDIE LINKE Dafür gestimmt
Portrait von Matthias LieschkeMatthias Lieschkefraktionslos Dagegen gestimmt
Portrait von Thomas LippmannThomas LippmannDIE LINKE Dafür gestimmt