Was ist Ihre Meinung zu Taurus-Lieferungen an die Ukraine?
Wie stehen Sie zu den möglichen Lieferungen von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine?
Noch 2024 wurde es viel diskutiert und von der CDU befürwortet. Sind jetzt andere Mittel wichtiger für die Ukraine? Besteht die Sorge eine weitere rote Linie von Putin zu überschreiten?
Vielen Dank
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Als wir 2024 intensiv über Taurus diskutiert haben, war der Marschflugkörper mit seiner Reichweite von rund 500 Kilometern eine Fähigkeit, die der Ukraine in dieser Form fehlte. Inzwischen hat sich die Situation verändert: Die Ukraine verfügt über andere Möglichkeiten für weitreichende Angriffe, und Deutschland unterstützt sie gemeinsam mit Partnern insbesondere dabei, eigene weitreichende Waffensysteme zu entwickeln und zu produzieren. Deshalb steht die öffentliche Debatte über Taurus heute nicht mehr in gleicher Weise im Mittelpunkt und dessen Fähigkeit würde nicht mehr den gleichen Effekt im Gefecht erzielen.
Das bedeutet nicht, dass wir uns von vermeintlichen „roten Linien“ Putins einschüchtern lassen. Für mich bleibt entscheidend, dass die Ukraine sich wirksam gegen den russischen Angriffskrieg verteidigen kann. Welche konkreten Waffensysteme dafür geliefert werden, sollte allerdings nicht ständig öffentlich angekündigt und diskutiert werden. Kein Geheimnis ist, dass Deutschland gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich aktuell der größte Unterstützer der Ukraine weltweit ist.
Unser Ziel bleibt, die Ukraine militärisch und politisch zu befähigen, dass Putin erkennt, dass er diesen Krieg militärisch nicht gewinnen kann und ernsthafte Verhandlungen über einen gerechten Frieden notwendig werden. Das liegt auch im ureigenen deutschen Interesse, denn wenn Putin erfolgreich wäre, stünden beim nächsten Konflikt deutsche Soldaten an der NATO-Ostfront. Dass er nicht nur einen Krieg gegen die Ukraine, sondern vielmehr gegen den Westen führen will, hat er mehrfach betont.
Mit freundlichen Grüßen
Tilman Kuban

