Wo bleibt der ökonomische Weitblick bei der Budgetierung der Psychotherapie?
Sehr geehrter Herr Frei, die ambulante Psychotherapie macht nur rund 0,7 % der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen aus, ist aber einer der wichtigsten Faktoren zur Stabilisierung des Gesundheitssystems: Psychische Erkrankungen sind die zweithäufigste Ursache für Krankheitstage, der häufigste Grund für Frühverrentungen und verursachen enorme Krankengeldkosten.
Eine Budgetierung führt nachweislich zu längeren Wartezeiten, mehr stationären Behandlungen, höheren Krankengeldausgaben, Produktivitätsverlusten und steigenden Frühverrentungen. Jeder Euro, der in ambulante Psychotherapie investiert wird, bringt 2,5 bis 4 Euro in das Sozialsystem zurück.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum eine Maßnahme umgesetzt wird, die kurzfristig geringe Einsparungen erzeugt, aber langfristig erhebliche Folgekosten verursacht. Wo bleibt der ökonomische Weitblick bei der Budgetierung der Psychotherapie?
Sehr geehrter Herr L.,
nach einem Entschließungsantrag des Bundestages bei der Verabschiedung des Gesetzes zur Reform des Gesundheitswesens wird sich die Bundesregierung noch diesen Sommer nochmals mit den Auswirkungen und einer möglichen besseren Ausstattung in der psychotherapeutischen Behandlung befassen. Dabei geht es auch um Ihre Argumentation.
Nichtsdestotrotz darf nicht übersehen werden, dass die Ausgaben für die psychotherapeutischen Behandlungen in der jüngsten Vergangenheit überproportional dynamisch angestiegen sind. In absoluten Zahlen sprechen wir von 4,6 Milliarden Euro und nahezu einer Verdopplung in zehn Jahren. Dies auch weil es heute zum Glück mehr Therapieangebote gibt. Die Entwicklungen im Blick hat sogar der Erweiterten Bewertungsausschuss vor Monaten eine Senkung der Kassenhonorare um 4,5 % für ambulante Psychotherapeuten beschlossen. Diese Entwicklungen kann man angesichts des Sparzwangs im Gesundheitssystem nicht einfach ignorieren.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei

