Wie rechtfertigen Sie die Milde für Jens Spahn vor Bürgerinnen, die das Gefühl haben, dass ihr Verantwortungsgefühl für die Demokratie von der Fraktionsspitze schamlos ausgenutzt wird?
Sehr geehrte Herr Frei,
Ihre Entscheidung enttäuscht mich zutiefst. Während die CDU härtere Regeln für Arbeitnehmer fordert und Carsten Linnemann sogar die Kinderkrankentage kürzen will, wird das Fehlen eines Spitzenpolitikers im Haushaltsausschuss einfach ausgesessen. Es ist die Masse dieser Unmoral, die mich fassungslos macht – erst vor zwei Monaten musste Herr Spahn wegen des Leihmutterschafts-Eklats als Fraktionsvize zurücktreten. Dass die Fraktionsspitze ihn nun schon wieder deckt, zeigt ein bitteres Kalkül: Sie bauen darauf, dass staatstragende Bürgerinnen wie ich die Demokratie am Ende schon stützen und eben nicht aus Frust die AfD wählen. Sie nutzen meine Vernunft als Blankoscheck aus, um interne Netzwerke zu schützen. Dabei stand Herr Spahn vor keinem moralischen Dilemma. Es gäbe einen sauberen, geradlinigen Weg, ihn aus dem Ausschuss abzuziehen. Warum messen Sie bei den Pflichten mit zweierlei Maß? Und wie wollen Sie so die Glaubwürdigkeit der Politik vor dem Kippen bewahren?

