Wie möchten Sie die Wartelisten auf Spenderorgane zeitlich verkürzen?
Sehr geehrter Herr Möller,
zuerst möchte ich mich bedanken, dass Sie meine letzte Frage ausführlich beantwortet haben. Ich als Nierenspender an mein Sohn bin natürlich intensiver im Thema Organspende. Sie lehnen also eine Widerspruchslösung, so wie sie sich in vielen europäischen Ländern bewährt hat, ab. Ich verstehe und akzeptiere die Argumente wie Sie sie mir vorgetragen haben. Ich hoffe wir sind uns trotzdem einig, dass sich etwas ändern muss. Wie ist Ihre Position zu dem Vorschlag jedem Bundesbürger bei der Ausstellung eines Ausweisdokumentes die Frage nach einer Bereitschaft zur Organspende zu stellen? Weiter gedacht auch jedem Asylbewerber beim Asylantrag und jeder eingebürgerter Bürger bei Überreichung der deutschen Staatsbürgerschaft? Ich persönlich finde es für jedem Bürger zumutbar seinen Willen zum Thema zum Ausdruck zu bringen und bei Neubeantragung der Ausweise die Frage erneut gestellt zu bekommen. Wäre das nicht eine Möglichkeit beide „Fraktionen“ näher zu bringen?
Sehr geehrter Herr S.,
natürlich sind wir uns einig, dass sich im Bereich der Versorgung mit Ersatzorganen etwas ändern muss. Allerdings lege ich den Fokus auf eine Priorisierung der entsprechenden Forschung und Entwicklung. Ich sehe aufgrund der medizinisch-technischen Entwicklung auch bereits mittelfristig sehr großes Potenzial für Lösungen - also auch für Ihre Familienmitglieder.
Die Position meiner Partei zur Abfrage der Organspende-Bereitschaft wird bei uns fraktionsintern diskutiert - und zwar im Hinblick auf die erforderlichen Aufklärungspflichten. Ich nehme hier eine ablehnende Position ein, soweit eine weitergehende Aufklärung über die Umstände der Organentnahme diskutiert wird.
Eine Verknüpfung der Organspendefrage mit der Ausstellung von Ausweisdokumenten oder der Verleihung der Staatsbürgerschaft sehe ich aber auch kritisch. Beides steht in keinem Zusammenhang. Ein solches Verknüpfen kann je nach Umsetzung zu einer Überrumpelung führen. Letztere befürchtet die skeptische Seite ja bereits jetzt.
Freundliche Grüße
Stefan Möller

