Stefan Möller
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Frage von Olaf M. •

Wie begehen Sie den heutigen Gedenktag, den 27.Januar?

Sehr geehrter Herr Möller,

heute, am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir der über eine Million Menschen, die dort von Deutschen und ihren Kollaborateuren ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politische Gefangene, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Millionen verschleppte Slawen und Zwangsarbeiter.

Vor diesem historischen Hintergrund möchte ich Sie fragen:

Wie gehen Sie als Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Partei, deren Rhetorik und Geschichtsverständnis immer wieder in der Nähe von Relativierungen der Nazi-Verbrechen zu verorten ist, mit der Verantwortung um, an diesen Tag würdevoll und glaubwürdig zu erinnern?

Halten Sie es angesichts der von Ihrer Partei angeführten „Schuldkult“ und „erinnerungspolitische Wende“ ein ehrliches Gedenken an die Opfer des Holocaust für möglich? Wie halten Sie es persönlich?

Stefan Möller
Antwort von AfD

Sehr geehrter Herr M.,

ich habe an der offiziellen Gedenkveranstaltung des Bundestags teilgenommen, so wie übrigens fast alle meiner Fraktionskollegen. Sowas fällt mir nicht einfach, weil aufgrund der bisherigen Erfahrungen damit zu rechnen ist, dass diese Gedenkveranstaltungen oft recht unverblümt genutzt werden, um Gedenkreden zu Angriffen gegen die AfD - also uns - zu missbrauchen. Ich habe sowas in Thüringen schon mehrfach erlebt. Ein Beispiel dafür ist in diesem Jahr die Rede von Michel Friedman im niedersächsischen Landtag gewesen (https://www.haz.de/der-norden/michel-friedman-die-naechsten-wahlen-werden-ueber-die-demokratie-entscheiden-MAYHGYMGOJGZVB4PGXFH3L4O5U.html).

Es ist nicht einfach, seine Bereitschaft zum Gedenken zu zeigen, sich stumm ins Auditorium zu setzen, wenn man damit rechnen muss, wie jemand seine Gegnerschaft zur AfD auslebt und uns beschimpft oder in die geistige Nähe zu den Tätern rückt. Dabei geht nicht nur die Würde der Veranstaltung verloren. Meine eigene wird dabei auch direkt angegriffen. Ich ertrage diese Situation, in dem ich mir sage, dass mein Fernbleiben genau das ist, was diese Menschen wollen. Deswegen werde ich mich nicht „weghassen“ lassen.

Ich sitze also dort und höre zu. Je nachdem, ob die Rede neutral oder aggressiv gegen die AfD gerichtet ist, verhalte ich mich hierzu nonverbal. Letzterenfalls denke ich an ein Gespräch, welches ich vor Jahren mit einem Vertreter der Erlebnisgeneration im Thüringer Landtag hatte und welches überhaupt nicht in die erinnerungskulturelle Leitlinie der bundesrepublikanischen Eliten passt. Auch für diesen Mann bin ich da.

Allen anderen, welche die Würde des Gedenkens dadurch verletzen, indem sie gegen die AfD polemisieren und ihr Vorgehen gegen mich und meine Parteifreunde als „Lehre“ aus der Nazizeit rechtfertigen, versuche ich durch eine Haltung der Verachtung zu begegnen. Ich finde, es gelingt mir mittlerweile recht gut, so die Balance zu halten.

Und ja: Meine Erlebnisse an diesen Gedenktagen haben mich erst richtig darin bestärkt, dass eine erinnerungspolitische Neuausrichtung in der Bundesrepublik notwendig ist (vorher war das für mich kein Thema). Es braucht eine neue Erinnerungskultur, welche sicherstellt, dass die Würde des Gedenkens nicht durch alltagspolitische Manöver missbraucht wird, wie ich sie oben beschrieben und exemplarisch erwähnt habe.

Freundliche Grüße

Stefan Möller

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