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Simone Borchardt
CDU
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Frage von Anja L. •

Wie wollen Sie sicherstellen,dass Menschen einkommensunabhängig Zugang zu Psychotherapie behalten, wenn sich das Angebot durch Kürzungen bzw Budgetierung verringert?Die Versorgung steht auf dem Spiel!

Als angestellte Psychotherapeutin in einer ambulanten Praxis warne ich eindringlich vor den Folgen der geplanten Budgetierung. Die Budgetierung würde zu weiterer Unterversorgung psychisch kranker Menschenführen, während der Bedarf in der Bevölkerung steigt. Ich fordere Sie auf, die psychotherapeutische Versorgung dauerhaft von der Budgetierung auszunehmen und sie damit zu stärken, wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen war. Menschen werden nicht gesünder, wenn die Behandlung gekürzt wird. Um Kosten zu sparen muss die ambulante Versorgung gestärkt werden! Ich schreibe Ihnen als Privatperson, die große Sorge vor der aktuellen Entwicklung hat. Ich sehe in der Praxis jeden Tag Menschen, die dringend psychotherapeutische Behandlung benötigen!

Quellen:https://couch-und-agora.de/angriff-psychotherapeutische-versorgung-2026/

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Antwort von CDU

Der Zugang zur Psychotherapie darf in Deutschland nicht vom Einkommen abhängen. Das ist ein zentraler Punkt unseres solidarischen Gesundheitssystems, und daran wird sich auch nichts ändern. Wer gesetzlich versichert ist und eine medizinisch notwendige psychotherapeutische Behandlung benötigt, muss weiterhin Zugang zu dieser Versorgung haben.

Gleichzeitig führt hysterische Zuspitzung in dieser Debatte nicht weiter. Ich verstehe, dass viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ihre Interessen mit Nachdruck vertreten. Sie können Abgeordnetenwatch auch weiterhin mit gleichlautenden oder ähnlich aufgebauten Anfragen bombardieren. Das ändert aber nichts an der Ausgangslage: Die gesetzliche Krankenversicherung steht vor erheblichen Finanzierungsproblemen, und alle Leistungsbereiche müssen sich der Frage stellen, wie Versorgung gesichert und zugleich bezahlbar gehalten werden kann.

Richtig ist: Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März 2026 eine Absenkung zentraler psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent beschlossen. Die KBV hat dagegen gestimmt, die Psychotherapeutenkammern kritisieren den Beschluss deutlich. Richtig ist aber auch: Der GKV-Spitzenverband vertritt die Auffassung, dass dadurch keine Veränderung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung zu erwarten sei und verweist darauf, dass psychotherapeutische Leistungen weiterhin besonders gefördert werden. Diese unterschiedlichen Bewertungen müssen im parlamentarischen Verfahren sauber geprüft werden.

Ich halte Psychotherapie für wichtig. Sie ist ein unverzichtbarer Teil der Versorgung. Aber sie ist nicht der einzige Bereich, in dem es Druck gibt. Auch Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser, Pflege, Arzneimittelversorgung, Heilmittel, Hilfsmittel und Apotheken stehen unter erheblichen Belastungen. Wer politisch verantwortungsvoll handeln will, darf deshalb nicht den Eindruck erwecken, eine Berufsgruppe könne vollständig aus allen notwendigen Reformüberlegungen herausgenommen werden, während andere Bereiche die Last allein tragen.

Die von Ihnen genannte Quelle ist erkennbar interessengeleitet und argumentiert sehr zugespitzt. Das darf sie. Für politische Entscheidungen reicht eine solche Darstellung aber nicht aus. Maßgeblich sind die tatsächlichen Auswirkungen auf Wartezeiten, regionale Versorgung, Praxisstrukturen, Patientenzugang und die Finanzierbarkeit des Systems insgesamt.

Ich kann Ihnen daher keine pauschale Zusage geben, dass Psychotherapie dauerhaft und vollständig von jeder Form der Budgetierung oder Steuerung ausgenommen wird. Ich kann Ihnen aber zusagen, dass ich genau darauf achten werde, dass Reformen nicht zu einer Verschlechterung der Versorgung führen, insbesondere nicht für Menschen mit geringem Einkommen, Kinder und Jugendliche oder Patientinnen und Patienten in ländlichen Räumen.

Unser Ziel bleibt eine verlässliche, erreichbare und solidarisch finanzierte psychotherapeutische Versorgung. Dieses Ziel erreichen wir aber nicht durch Alarmismus, sondern durch belastbare Zahlen, faire Abwägung und tragfähige Entscheidungen.

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