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Reinhard Houben
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Wie begründen sie ihre Aussage gegenüber dem Tagesspiegel, dass verkaufsoffene Sonntage den Umsatzrückgang ausgleichen könnten?

Verkaufsoffene Sonntage waren bisher nie eine Methode die wirklich zu mehr Umsatz und vor allem zu mehr Gewinn für den Einzelhandel geführt hat. Hinzu kommt der gravierende Fachkräfte Mangel, gesunkene Kaufkraft und natürlich die Angst der Bundesbürger vor den noch zu erwartenden steigenden Preisen. Eine genauere Erklärung ihrerseits wäre sehr hilfreich, da ich ihre ökonomische Einschätzung als Nicht-Ökonom und nur als ehemalige Einzelhändlerin nicht nachvollziehen kann.
Mit freundlichen Grüßen

Frage von Dagmar O. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 17 Stunden

Sehr geehrte Frau O.,

vielen Dank für Ihre Frage bezüglich meines Zitats im Tagesspiegel vom 2.8.22 (https://www.tagesspiegel.de/umsatz-im-einzelhandel-bricht-ein-fdp-will-geschaeften-mit-verkaufsoffenen-sonntag-helfen/28566178.html).

Nach zwei Jahren der pandemiebedingten Schließungen und Einschränkungen im Einzelhandel sowie angesichts der sinkenden Konsumbereitschaft in der Gesellschaft, gilt es Möglichkeiten abzuwägen, die die Attraktivität des Handels steigern können. Ich bin der Meinung, dass eine Liberalisierung der rechtlichen Möglichkeiten der Ladenöffnungszeiten hierbei eine Option darstellen können. Das Gebot der Ladenschließung am Sonntag ist ein Relikt aus der Weimarer Reichsverfassung. Die Sonntagsruhe stellt einen kaum mehr zeitgemäßen Eingriff in die Freiheit dar. Eine Modernisierung der Rechtslage begründet auch keine Pflicht zur Sonntagsöffnung, sondern gibt dem Handel lediglich eine weitere Möglichkeit an die Hand. Auch zeigt der Blick ins Ausland, dass viele Länder, wie die USA, das Vereinigte Königreich oder Skandinavien den Weg der Flexibilisierung bereits erfolgreich gegangen sind.

Ebenso kann eine Geschäftsöffnung am Sonntag dazu führen, das ungleiche Spielfeld zwischen stationären und Online-Handel etwas besser auszutarieren. Der Zahlungsdienstleister Klarna hatte 2020 erhoben, dass Sonntag inzwischen der beliebteste Tag für Online-Shopping ist (https://www.klarna.com/de/blog/der-klarna-conversion-kalender-das-sind-die-wirklich-heisen-stunden-und-tage-des-e-commerce/). Dieses Potential geht dem stationären Handel aufgrund starrer Öffnungsverbote an den meisten Sonntagen im Jahr verloren. Dabei hätten die Konsumenten gerade am Wochenende Zeit für einen ausgiebigen Besuch in der Innenstadt. Hinzu kommt, dass nach einer aktuellen Umfrage des HDE 53% der Befragten angeben, dass sie häufiger zum Einkauf in die Innenstadt fahren würden, wenn es dort mehr Events gäbe. Verkaufsoffene Sonntage mit einem attraktiven Rahmenprogramm können genau diese Anreize liefern.

Neben der Möglichkeit zur Sonntagsöffnung müssen allerdings auch weitere Maßnahmen folgen, um den Einzelhandel zu stärken. Dazu zählt insbesondere der Erhalt der Kaufkraft der privaten Haushalte. Angesichts hoher Inflation und gestiegener Wärme- und Energiepreise bedarf es gezielter Entlastungen. Mithilfe des Abschmelzens der Kalten Progression wollen wir dafür sorgen, dass den Bürgerinnen und Bürgern mehr netto vom brutto bleibt. Dadurch erhalten wir die private Investitionsfähigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Houben

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