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Norbert Maria Altenkamp
CDU
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Wie verhindern Sie die Ausgrenzung von Genesenen?

Sehr geehrter Herr Altenkamp,

die bestehende 2G Regel in Hamburg, die u.a. auch in Berlin und anderswo geplant ist, ist für die meisten Genesenen de facto eine 1G Regel, weil Genesene lt. Verordnung nur für maximal sechs Monate als genesen gelten.
Danach gelten sie wie Ungeimpfte und sind damit bei Anwendung der 2G Regel von wesentlichen Teilen des sozialen Lebens ausgeschlossen.
Wie verhindern Sie die Ausgrenzung von Genesenen bei Inkrafttreten der 2G Regel?

Dort wo zukünftig noch eine Testung zum Zugang von Veranstaltungen, Restaurants, etc. akzeptiert wird, muss zukünftig für einen Antigen-Test bezahlt werden.
Wie verhindern Sie die erheblichen finanziellen Kosten für Genesene mit nachweislich neutralisierenden Antikörpern und T-Zellen Reaktivität gegen SARS-Cov-2 Proteine (adäquat oder besser als bei zweifach Geimpften), die sich auf Grund der natürlich erworbenen Immunität nicht impfen lassen wollen?

Frage von Franz S. am
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Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 3 Tage

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Frage.

In der Tat gelten aktuell nur diejenigen Personen als „genesen“ im Sinne der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung, die eine überstandene Corona-Infektion mit einem PCR-Test nachweisen können, der nicht älter als sechs Monate ist.

Genesene werden danach aber nicht ausgegrenzt. Mit einer Impfung nach sechs Monaten werden Genesene mit vollständig geimpften Personen bei allen Corona-Maßnahmen gleichgestellt. Bundesminister Spahn setzt sich aktuell dafür ein, dass die gleiche Regelung auch für Personen gelten soll, die eine Corona-Infektion nicht mit einem PCR-Test, sondern nur mit einem Antikörpertest nachweisen können.

Ich habe großen Respekt für alle, die für sich entscheiden, sich nicht impfen zu lassen, gerade auch in den Fällen, wenn eine Corona-Infektion überstanden wurde.

Dennoch möchte ich dafür werben, sich auch nach einer Corona-Infektion zusätzlich einmal impfen zu lassen – und das nicht nur deshalb, weil es dann wieder mehr Möglichkeiten gibt, am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Kosten für Tests zu sparen.

In erster Linie schützen Sie sich mit einer Impfung selbst vor einer Infektion und vor dem Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung. Denn der Immunschutz nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion kann zwar nach den derzeit verfügbaren klinischen und immunologischen bei der Mehrzahl der Erkrankten eine Schutzwirkung von mindestens sechs bis neun Monaten haben. Aber er kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen und eine Person, die die Erkrankung durchgemacht hat, kann dennoch keine messbaren oder nur sehr wenige Antikörper entwickeln. Das heißt, dass auch Genesene möglicherweise keinen Schutz vor COVID-19 aufbauen und sich erneut infizieren können. Gleichzeitig können dadurch wiederum andere gefährdet werden. Mehr zu den Ergebnissen der Antikörper-Studien erfahren Sie hier: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/Antikoerper-Studien.html

Der beste Schutz für sich selbst und andere und die beste Chance auf ein normales Leben bleibt deshalb nach meiner Überzeugung die Impfung.

Und diese Impfung ist auch für Genesene sicher und wird deshalb von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlen. Die STIKO ist ein 18-köpfiges Expertengremium, das unabhängig und ausschließlich auf der Basis der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz arbeitet.

Sie hat festgestellt: Alle Impfstoffe, mit denen in der EU und in Deutschland geimpft wird, haben einen sorgfältigen Zulassungsprozess durchlaufen und in breiten klinischen Studien ihre Verträglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit nachgewiesen.

Für die Gruppe der Genesenen wird die Verabreichung einer einmaligen Impfstoffdosis in der Regel sechs Monate nach der Infektion empfohlen. Bei Personen mit gesicherter asymptomatischer Corona-Infektion kann die empfohlene einmalige Impfung bereits ab vier Wochen nach der Labordiagnose erfolgen.

Die STIKO betont, dass sämtliche bisher vorliegenden Studienergebnisse keine Hinweise darauf geben, dass die Impfung nach einer durchgemachten SARS-CoV-2-Infektion – unabhängig von der vorliegenden Antikörperkonzentration - problematisch wäre. Außerdem gab es bei den Zulassungsstudien der beiden mRNA-Impfstoffe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits im Vorfeld eine Corona-Infektion durchgemacht hatten. Die Impfung wurde von diesen Personen nicht schlechter vertragen als von allen anderen. Sie können dies gerne auch selbst unter https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Genesene_Impfdosis.html nachverfolgen.

Zusätzliche aktuelle Hinweise finden Sie auf: https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/fragen-und-antworten/verdacht-auf-infektion-und-krankheitsverlauf.html#tab-4297-13

Nur in äußerst wenigen Konstellationen ist von einer Impfung abzuraten. Hierzu zählen beispielsweise Kinder unter 12 Jahren, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist, oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Welche Personengruppen hierunter fallen, hat die STIKO ebenfalls ermittelt.

Ich bin selbst zweimal gegen Corona geimpft und vertraue der Wissenschaft und den Empfehlungen der STIKO. Denn nur so können wir alle so bald wie möglich zu einem normalen Leben zurückkehren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Norbert Altenkamp

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