Halten Sie die geplanten Kürzungen im Bereich der Psychotherapie sinnvoll? Insbesondere in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen + Krankschreibungen zunehmen & unser Gesundheitssystem belasten?
Nein, ich halte die Kürzungen nicht für sinnvoll. Inzwischen sind sie leider beschlossen: Am 10. Juli haben Bundestag und Bundesrat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet. Ab 2027 wird die ambulante Psychotherapie wieder budgetiert, und die Zuschläge für Kurzzeittherapien fallen weg. Außerdem hat die Koalition die gesetzliche Prüfung gestrichen, ob die Vergütung der Praxen angemessen ist. Das wird zu weniger Therapieplätzen und längeren Wartezeiten führen. Schon heute warten Kinder und Jugendliche im Schnitt 28 Wochen auf einen Platz.
Wir Grüne haben das Gesetz abgelehnt und auch über den Bundesrat versucht, es aufzuhalten. Mein Kollege Janosch Dahmen hat zudem einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht gestellt, weil den Abgeordneten für ein Gesetz dieser Tragweite kaum Zeit zur Prüfung blieb. Leider ohne Erfolg.
Ihr Hinweis auf die steigenden Krankschreibungen ist berechtigt. Wer bei der Psychotherapie spart, zahlt später mit Klinikaufenthalten und längeren Ausfallzeiten. Die Psychotherapeutenverbände rechnen vor, dass jeder Euro für ambulante Psychotherapie einen volkswirtschaftlichen Nutzen von zwei bis vier Euro bringt.
Einen Plan, wie die Versorgung besser werden soll, hat die Bundesregierung bisher nicht vorgelegt. Die im Koalitionsvertrag angekündigte eigene Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, mit der zusätzliche Kassensitze entstehen könnten, gibt es bis heute nicht.
Ich setze mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Gesundheitsausschuss dafür ein, dass die Budgetierung der Psychotherapie zurückgenommen wird und Menschen in einer psychischen Krise schnell Hilfe bekommen.
Mit freundlichen Grüßen
Moritz Heuberger

