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Michael Kellner
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Frage von Kathrin L. •

Wie können sinnvolle Einsparungen im Gesundheitssystem aussehen, die nicht zu Lasten der Versorgung psychisch kranker Menschen fallen?

Sehr geehrter Herr Kellner, die aktuellen Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit zur Streichung von Zuschlägen im Bereich der Kurzzeittherapie, erneute Budgetierungen psychotherapeutischer Leistungen sowie die Kürzungen des Honorars um 4,5% ab dem 1.4.26 treffen einen Bereich, der mit vergleichsweise geringen Gesamtkosten wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgekosten psychischer Erkrankungen nachweislich deutlich verringert. Besonders Praxen mit halbem Versorgungsauftrag, die einem Vollsitz vergleichbare Leistungen erbringen, werden bei zumindest gleich bleibenden Praxiskosten in ihrer Wirtschaftlichkeit eingeschränkt und können ihren Versorgungsauftrag in der aktuellen Form nicht halten, geschweige denn ausweiten. Ich denke, die psychotherapeutischen Kolleg*Innen sind bereit, ihren Beitrag zu Einsparungen im Gesundheitssystem zu leisten, sind aber seit jeher unverhältnismäßig im Vergleich zu anderen Arztgruppen in ihrer gerechten Vergütung beschnitten. Freundliche Grüße, K.L.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken höchst problematisch.

Es ist unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeut*innen zukünftig weniger für die Behandlung von GKV- Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden. Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und es ist richtig, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme weder möglich noch sinnvoll.

Dennoch möchte ich mich zu dieser Entscheidung äußern. In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung natürlich ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.

Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma.

Viele Grüße

Michael Kellner

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