Matthias W. Birkwald
DIE LINKE
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Frage von Naxr Wätre an Matthias W. Birkwald bezüglich Soziales

# Soziales 18. März. 2019 - 22:38

Guten Tag,
die Regierungsparteien haben im Koalitionsvertrag folgendes vereinbart:
Auf das Einkommen der Kindern von pflegebedürftigen Eltern soll künftig erst ab einem Einkommen in Höhe von 100.000 Euro im Jahr zurückgegriffen werden.

Wie sieht die derzeitige Planung aus was die Umsetzung dieser Vereinbarung betrifft?
Ab wann wird dieses Gesetz verabschiedet und ab wann wird es gültig sein?

Ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen.
Beste Grüße

Von: Naxr Wätre

Antwort von Dipl.-Soz.Wiss. Matthias W. Birkwald (LINKE) 20. Mai. 2019 - 08:47
Dauer bis zur Antwort: 2 Monate 2 Tage

Lieber Frau Wätre,

Vielen Dank für Ihre engagierte und wichtige Nachfrage zu der im Koalitionsvertrag vereinbarten Verbesserung des Elternunterhalts.
Pflege darf nicht arm machen – weder die zu pflegenden Menschen noch ihre Familienangehörigen. Deshalb unterstützt DIE LINKE jeden Schritt, der die gegenwärtige Regelung in der „Hilfe zur Pflege“ zumindest verbessert. So haben wir auch die Ankündigung begrüßt, die Jahreseinkommensgrenze im Rahmen des Elternunterhaltrückgriffs auf 100.000 Euro anzuheben.

Meine Fraktion hat bereits mehrfach die Bundesregierung zur Umsetzung dieser wichtigen sozialen Maßnahme befragt. Zuletzt erhielten wir am 23. April 2019 folgende Antwort: „Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erstellt derzeit einen Referentenentwurf, der Art und Weise der Umsetzung regelt. Dieser soll in Kürze vorgelegt werden.“

Inzwischen hat die Presse berichtet, dass die Jahreseinkommensgrenze nicht nur für Kinder zu pflegender Eltern, sondern auch für andere Sozialhilfeleistungen im Rahmen des SGB XII angehoben werden soll. Öffentlich genannt wurden konkret im Rahmen der Eingliederungshilfe Eltern, die Kinder mit Behinderungen pflegen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Wir wollen für alle Leistungen im Rahmen des SGB XII, dass Kinder erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro zum Unterhalt herangezogen werden können. DIE LINKE unterstützt damit die Position des SoVD, der ebenfalls erklärt: „Diese Einschränkung des Unterhaltsrückgriffs sollte sich nicht nur auf Hilfen zur Pflege erstrecken, wie dies im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, sondern für sämtliche Leistungen der Sozialhilfe gelten. Denn viele Betroffene erhalten nicht nur Hilfen zur Pflege, sondern weitere Leistungen des SGB XII. Insoweit bestehen vergleichbare Belastungsmomente für die Angehörigen, denen der Gesetzgeber einheitlich begegnen sollte.“

Grundsätzlich bleibt für uns der Elternunterhalt jedoch ungerecht. Er trifft nicht die Kinder aus vermögenden Elternhäusern, denn ihre Eltern werden nicht bedürftig. Im Gegenteil, sie hinterlassen ihren Kindern oft hohe Vermögen. Er trifft nicht die Kinder von Beamten, denn Beamte können nicht bedürftig werden. Er trifft oft nur Kinder in sogenannten Normalverdienerverhältnissen.

DIE LINKE will verhindern, dass Menschen überhaupt zum Sozialamt gehen müssen, wenn sie Pflegeleistungen brauchen. Das heißt, die Pflegeversicherung soll alle pflegebedingten Kosten finanzieren. Wir wollen professionelle Sachleistungen ohne Zuzahlungen. Wir wollen nicht, dass Kinder für die Pflegekosten der Eltern überhaupt zur Kasse gebeten werden. Deshalb hat unsere Fraktion bereits im März 2018 einen Antrag (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/009/1900960.pdf) in den Bundestag eingebracht, um die Eigenanteile in Pflegeheimen zu senken. Dieser Antrag wurde leider abgelehnt. Außerdem wollen wir die Investitionskostenanteile und die Ausbildungszuschläge absenken und dafür Steuermittel verwenden.
Eine Pflegevollversicherung, die alle pflegebedingten Leistungen finanziert und öffentlich finanzierte Investitionen in die Pflegeinfrastruktur können verhindern, dass Menschen Hilfe zur Pflege nach SGB XII überhaupt brauchen. Dann werden auch Kinder seltener zum Elternunterhalt herangezogen.
Aus unserer Sicht ist das finanzierbar durch eine Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung. Nach unserem Modell zahlen alle in diese Pflegeversicherung ein, aus ihrem vollständigen Einkommen, ohne Beitragsbemessungsgrenze. Das macht die Pflegeversicherung gerecht und bessere Pflege wie höhere Löhne für die Pflegekräfte bezahlbar. So werden die Kommunen als Sozialhilfeträger entlastet und die Kinder der zu pflegenden Menschen verschont.
In diesem Sinne setzen wir uns dafür ein, dass die Einkommensgrenze spätestens zum Januar 2020 angehoben und zugleich die Finanzierungsgrundlage der Pflegeversicherung endlich wirklich solidarisch ausgestaltet wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Matthias W. Birkwald