Setzen Sie sich für die Finanzierung von Lehrkräften im Ganztag an GTS-Schulen ein? Falls nein: Wie rechtfertigen Sie daraus resultierende Kürzungen zulasten von Bildungsqualität und -gerechtigkeit?
Der Senat hat angekündigt, ab dem Schuljahr 2027/2028 die zusätzliche Finanzierung von Lehrkräften im Ganztag an den gebundenen Ganztagsgrundschulen (GTS) zu beenden und stattdessen ausschließlich Erzieherstellen zu finanzieren. Nach Einschätzung des Ganztagsschulverbands werden dadurch über Jahre entwickelte pädagogische Konzepte nicht mehr umsetzbar sein.
Ich frage mich, wie diese Entscheidung mit dem Anspruch vereinbar ist, Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu stärken. Wenn künftig nachmittags keine Lehrkräfte mehr im Ganztag eingesetzt werden und Unterrichts- sowie Förderangebote entfallen, trifft das aus meiner Sicht insbesondere Kinder, die auf die Schule als Lern- und Förderort angewiesen sind.
Viele Eltern - so auch wir - haben sich bewusst für eine gebundene Ganztagsschule entschieden, weil Unterricht und Ganztag dort pädagogisch eng verzahnt sind. Mit der geplanten Änderung würde aus meiner Sicht ein zentrales Merkmal dieses Schulkonzepts aufgegeben.
Sehr geehrter F. T.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und die Schilderung Ihrer Sorgen hinsichtlich des Haushaltsentwurfs 2027/2028 und Ihre Geduld bezüglich einer Antwort.
Ich kann als Mutter von Grundschulkindern gut nachvollziehen, dass die Formulierung im Haushaltsplan Fragen aufwirft und bei vielen Eltern sowie Schulgemeinschaften Unsicherheit auslöst.
Uns ist wichtig, einige Punkte einzuordnen.
Mit der vorgesehenen Ausstattung der GTS-Grundschulen mit Erzieher*innenstellen erfolgt eine Angleichung an die personelle Grundausstattung der GBS-Grundschulen. Dies bedeutet jedoch ausdrücklich keine Kürzung der Betreuungszeit oder des Personalschlüssels. Den Kindern steht auch künftig im gleichen Umfang qualifiziertes pädagogisches Personal zur Verfügung.
Dabei handelt es sich nicht um beliebige Betreuungskräfte, sondern um pädagogisch qualifizierte Erzieher*innen, die dauerhaft im Ganztag eingesetzt werden. Ziel ist gerade, verlässliche Bezugspersonen und stabile Strukturen für die Kinder zu gewährleisten – nicht häufig wechselnde Gruppen oder Ansprechpersonen.
Ebenso bleibt der Status der gebundenen Ganztagsgrundschule unverändert. Das pädagogische Konzept des gebundenen Ganztags mit seiner Rhythmisierung über den gesamten Schultag wird durch diese Haushaltsentscheidung nicht infrage gestellt. Die personelle Ausstattung dient weiterhin dazu, den Ganztag von 8 bis 16 Uhr sowie die anschließenden Angebote zuverlässig sicherzustellen.
Auch an den offenen Ganztagsgrundschulen wird die ganztägige Bildung und Betreuung durch erfahrene Jugendhilfeträger verantwortet. Dort besteht ebenfalls ein qualifiziertes pädagogisches Angebot über den gesamten Tag. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Es ist weder dort noch an gebundenen Ganztagsschulen Aufgabe der Eltern, Bildungs- oder Freizeitangebote eigenständig zu organisieren.
Uns ist außerdem wichtig hervorzuheben, dass Lehrkräfte auch künftig am Nachmittag eingesetzt werden können. Die konkrete Ausgestaltung richtet sich weiterhin nach dem jeweiligen Schulkonzept sowie der Verteilung der Unterrichtsstunden innerhalb des rhythmisierten Ganztags.
Entscheidend ist aus unserer Sicht auch: Die Möglichkeit, externe Ressourcen und unterschiedliche Professionen einzubinden, bleibt bestehen. Damit können Schulen weiterhin externe Fachkräfte und besondere Kompetenzen – beispielsweise aus den Bereichen Kultur, Musik, Sport oder Theater – in ihre pädagogischen Konzepte integrieren. Ebenso wird die enge Zusammenarbeit multiprofessioneller Teams fortgeführt und weiterentwickelt, denn gerade diese Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Qualitätsfaktor des Hamburger Ganztags.
Der Austausch mit Schulleitungen, pädagogischen Fachkräften und Eltern ist für uns ein wichtiger Bestandteil unserer parlamentarischen Arbeit. Insbesondere unsere Zuständigen im Schulausschuss sind daher im ständigen Kontakt. Als Grüne ist uns wichtig, dass die Vielfalt der pädagogischen Konzepte erhalten bleibt. Der Ganztag lebt von der Zusammenarbeit verschiedener Professionen und davon, dass Schulen ihre jeweiligen Schwerpunkte entwickeln können. Deshalb werden wir die weitere Umsetzung der Haushaltsentscheidung aufmerksam begleiten und uns dafür einsetzen, dass erfolgreiche Konzepte und pädagogische Gestaltungsspielräume auch künftig erhalten bleiben.
Herzliche Grüße
Mareike Engels

