MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Manuela Ripa
ÖDP
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Frage von Felix S. •

Wie bewerten Sie heute die Corona-Pandemie? Was hat Sie bewegt, einem gentechnischen Impfverfahren zuzustimmen, obwohl die ÖDP in der Landwirtschaft bei Tier und Pflanze gegen Gentechnik ist?

Ich bin auf X auf Ihren Beitrag von 2021 gestoßen und es interessiert mich, wie Sie das das heute sehen bzw. was Sie an Hintergrundwissen haben und in der kurzen Redezeit nicht sagen konnten.

https://x.com/RipaManuela/status/1359535910866608130

Worin bestand das gemeinsame Handeln Europas und was waren die Fehler aus denen es "vermeintlich gelernt" hat?

Was sollte der Erfolg sein der sich nicht eingestellt hat und wie hätten Sie den erreicht?

Wo überall sieht die ÖDP Zustände wo das Gemeingut Gesundheit dem Profit weichen muss?

Wie wollen Sie das Gesundheitssystem finanzieren oder durch Vorbeugung Kosten vermeiden?

Aufgrund welcher Fakten und klinischen Daten kommen Sie zu der Aussage das Corona eine Zäsur ist und worin besteht die im Vergleich zu bisherigen respiratorischen Erkrankungen?

Welche Bedeutungen haben für Sie Substanzen wie Vitamin D und die orthomolekulare Medizin?

Entspricht letztere nicht ÖDP-Aussagen zur Gesundheitspolitik und Gemeinwohlökonomie?

Sind RKI-Leaks bekannt?

MdEP Manuela Ripa (ÖDP)
Antwort von ÖDP

Sehr geehrter Herr S.,

die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Und wie schnell Gesundheitssysteme an ihre Grenzen kommen und wie abhängig wir bei Arzneimitteln und medizinischer Ausrüstung von globalen Lieferketten sind. Und wie wichtig ein handlungsfähiges Europa ist, wenn eine Krise keine Grenzen kennt.

Genauso wichtig ist Vertrauen. Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit können nur dann nachhaltig wirken, wenn sie nachvollziehbar, transparent und auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage getroffen und verständlich kommuniziert werden. Wissenschaft und Politik müssen dabei klar voneinander getrennt bleiben, aber gleichzeitig auch eng zusammenarbeiten. Auch das Parlament muss in Krisenzeiten seine Kontrollfunktion wahrnehmen können.

Die Pandemie hat auch gezeigt, wie wichtig starke öffentliche Gesundheitssysteme sind. Krankenhäuser, Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte sind keine Kostenfaktoren, sondern das Rückgrat unserer Gesellschaft. Ihre Arbeit muss entsprechend wertgeschätzt und strukturell abgesichert werden. Gleichzeitig müssen wir unsere Abhängigkeit bei wichtigen Medikamenten oder medizinischen Produkten beenden.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat kürzlich in einer umfassenden Studie zur Pandemievorsorge festgestellt, dass es nicht die Frage ist, ob eine neue Pandemie auftreten wird, sondern wann. Ein großes Risiko besteht durch die intensive Landwirtschaft, wo in großen Tierbeständen viele Tiere auf engem Raum leben, Erreger sich leichter vermehren und durch den engen Kontakt zwischen Nutztieren und Menschen die Artengrenze überwinden können. Hochproblematisch ist auch der umfangreiche und sehr oft unregulierte Wildtierhandel, da durch das Fangen, Transportieren und Verkaufen von Wildtieren viele Möglichkeiten für Erreger entstehen, auf Menschen überzuspringen, die sogenannten Zoonosen. Und durch die steigende Nachfrage nach Flugreisen können Viren und andere Erreger innerhalb weniger Stunden große Entfernungen überwinden, wodurch sich Ausbrüche schnell international ausbreiten. Weltweiter Naturschutz, wie der Erhalt bzw. Wiederaufbau von Biotopen, kann das Risiko künftiger Seuchen dagegen verringern. Denn intakte Ökosysteme funktionieren wie ein natürlicher Schutzschild gegen neue Infektionskrankheiten, da Wildtiere dann nicht in vom Menschen genutzte Gebiete ausweichen müssen. Bessere Vorsorge, starke öffentliche Gesundheitssysteme, transparente Entscheidungsprozesse, unabhängige Forschung und mehr europäische Zusammenarbeit sind ebenfalls vonnöten. Also Mitglied des Ausschusses für öffentliche Gesundheit des Europäischen Parlaments setze ich mich dafür ein. Bei der nächsten Gesundheitskrise müssen wir definitiv besser vorbereitet sein.

Allerdings hat die Politik diesbezüglich ihre Hausaufgaben nicht gemacht, sondern ist viel zu schnell wieder in den Normalmodus zurückgekehrt. Kaum waren die Einschränkungen vorbei, wurde die Pandemie politisch und gesellschaftlich wieder abgehakt. Dabei hat Corona eindrücklich gezeigt, wie verletzlich unsere Systeme sind, und dass Vorsorge kein Luxus ist, sondern eine politische Verpflichtung.

Ein besonders deutliches Beispiel sind unsere Schulen. Schon während der Pandemie war bekannt, welche Bedeutung eine gute Raumluft und ausreichend Luftaustausch für den Infektionsschutz haben. Das Umweltbundesamt hat deshalb nicht nur regelmäßiges Lüften, sondern auch langfristig den Ausbau fester Lüftungsanlagen empfohlen. Davon ist bislang allerdings nichts zu sehen.

Dabei sollte die Pandemie uns doch gelehrt haben, dass Prävention endlich den Stellenwert bekommen muss, den sie verdient. Gesundheitspolitik darf nicht erst dann beginnen, wenn Menschen krank geworden sind. Wir brauchen eine Politik, die gesunde Lebensbedingungen schafft, Umweltbelastungen reduziert, Forschung stärkt und insbesondere Kinder und Jugendliche schützt.

Deshalb müssen die Erkenntnisse aus der Pandemie jetzt endlich dauerhaft in gute Politik umgesetzt und konkrete Konsequenzen gezogen werden: bessere Vorsorge, krisenfeste Infrastruktur, funktionierende Frühwarnsysteme und eine Gesundheitspolitik, die nicht erst reagiert, wenn die nächste Krise bereits da ist.

Was Ihre Fragen zur Zusammensetzung der Corona-Impfstoffe bzw. der pharmakologischen Wirkung von Vitamin-Supplementierungen oder alternativen Behandlungsmethoden anbelangt, so würde ich Ihnen empfehlen, dazu entweder ärztlichen Rat einzuholen oder sich an die entsprechenden Gesundheitsexperten zu wenden. 

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Ripa

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