Sehr geehrte Manuela, > Können Sie in der Politik über die Wichtigkeit einer Weltwirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert, reden und den Anfang gegen den Wachstumszwang machen?
Sehr geehrte Manuela Ripa, > Können Sie in der Politik über die Wichtigkeit einer Weltwirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert, reden und den Anfang gegen den Wachstumszwang machen?
Bürger wollen eine Wirtschaft, die ohne Wachstum um jeden Preis funktioniert.
https://www.eu-umweltbuero.at/inhalt/umfrage-buergerinnen-wollen-kein-wachstum-um-jeden-preis?ref=
Es werden immer mehr KI-Rechenzentren gebaut, welche massiv Energie verbrauchen.
Es wird trotz wachsenden Recyclings immer mehr neues Plastik produziert.
Regenwälder verschwinden, wir haben ein nie dagewesenes Artensterben.
https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/artenkrise/artensterben
Sehr geehrter Herr H.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Frage. Für mich ist ganz klar, dass die Wirtschaft dem Menschen dienen muss und nicht der Mensch der Wirtschaft. Meine Partei, die „ÖDP – die Naturschutzpartei“ bekennt sich ausdrücklich zu einer Wirtschaftsform ohne Zwang zu ständigem Wachstum. Wohlstand bedeutet für uns nicht, dass jedes Jahr mehr Waren produziert und konsumiert werden, sondern dass die Menschen ein ausreichendes Einkommen, Zugang zu Bildung und guter Gesundheitsversorgung sowie Zeit für soziale Beziehungen haben und in einer intakten Natur leben können. Eine Wirtschaft ohne Wachstumszwang bedeutet dabei keineswegs Stillstand oder Verzicht auf Innovation. Es geht vielmehr darum, welche Bereiche wachsen sollen und welche nicht. Erneuerbare Energien, langlebige Produkte, Reparatur, Bildung, Pflege, Gesundheit, öffentlicher Verkehr und ökologische Landwirtschaft können an Bedeutung gewinnen, während Ressourcenverbrauch, Wegwerfprodukte und klimaschädliche Produktion zurückgehen. Unternehmen sollten nicht dafür belohnt werden, möglichst viele kurzlebige Produkte zu verkaufen, sondern dafür, langlebige, reparierbare und ressourcenschonende Lösungen anzubieten.
Sie sprechen dankenswerterweise das Thema Plastikflut an, gegen die ich schon lange ankämpfe. Ich fordere weniger Plastikherstellung, besseres Produktdesign und verbindliche internationale Regeln. Deshalb ist die kürzlich verabschiedete EU-Verpackungsverordnung ein Fortschritt. Denn wie Sie richtig schreiben, reicht Recycling allein nicht. Der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht. Deshalb ist auch eine starke europäische Kreislaufwirtschaft so entscheidend. Im Europaparlament setze ich mich für einen echten Markt für sekundäre Rohmaterialen ein – es dürfen nicht immer erst die Primärrohstoffe genommen werden.
Bezüglich Plastik habe ich mich erst kürzlich gegen Plastik in Zigarettenfiltern eingesetzt. Denn Zigarettenfilter mit Plastik und Giftstoffen belasten extrem unsere Böden und Gewässer.
Der immense Energieverbrauch der KI-Rechenzentren, den Sie auch ansprechen, ist in der Tat ein großes Problem. Er zeigt ein grundlegendes Defizit unserer bisherigen Wirtschaftslogik: Effizienzgewinne führen nicht automatisch zu weniger Ressourcenverbrauch. Wenn eine Technologie effizienter wird, aber gleichzeitig millionenfach häufiger eingesetzt wird, kann der Gesamtverbrauch trotzdem steigen. Deshalb muss auch bei der Digitalisierung die Frage erlaubt sein: Was brauchen wir wirklich, welchen Nutzen bringt es und welchen ökologischen Preis hat es?
Eine Wirtschaft ohne Wachstumszwang fragt nicht: „Wie können wir jedes Jahr mehr produzieren?“ Sondern: „Wie können wir dauerhaft gut leben, ohne die Grundlagen dieses Lebens zu zerstören?“ Genau darin liegt die zentrale Idee das Wirtschaftens innerhalb planetarer Grenzen, für das wir uns als ÖDP so stark einsetzen. Die ÖDP hat dazu schon verschiedene Symposien organisiert und Bücher verfasst, flankiert von Veranstaltungen, die ich im Europäischen Parlament dazu organisiert habe. Die nächste wird am 17. November 2026 im Europäischen Parlament stattfinden.
Mit freundlichen Grüßen
Manuela Ripa

