Lisa Paus
DIE GRÜNEN
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Frage von Wnaavf Jvyqrezhgu an Lisa Paus bezüglich Bildung und Forschung

# Bildung und Forschung 29. Juli. 2016 - 21:15

Sehr geehrte Frau Paus,

im Wahlprogramm der Grünen für die Wahl 2016 nennt ihre Partei vor allem Bildungsziele, die darauf abzielen, allen Schülern in Schulen die fast jedes Gebiet abdecken sollen alle Chancen zu geben. Ich halte das für ein gutes Ziel das verwirklicht werden sollte, allerdings wird in ihrem Wahlprogramm nicht klar wie Sie das erreichen wollen.

Das Wahlprogramm sagt aus, dass Kinder mit Migrationshintergrund so schnell wie möglich in Regelklassen integriert werden sollen. Dafür sollen alle Lehrer für den Umgang mit "Vielfalt" ausgebildet werden. Weiterhin fordern Sie das alle Schulen und ihr Personal alle Schüler unabhängig von ihrer physischen und psychischen Verfassung gemeinsam unterrichten.
Eine Lehrkraft die in der Lage ist, all diese verschiedenen Schüler korrekt zu betreuen und zu unterrichten scheint mir im Moment undenkbar. Ich will nicht respektlos klingen, aber oft sind Lehrkräfte jetzt schon mit Klassen überfordert, die keine Schüler enthalten, die pädagogische, physische oder integrative Unterstützung benötigen.

Lehrer müssten also entweder deutlich besser und umfassender ausgebildet werden, oder es bräuchte spezialisiertes weiteres Personal in allen Klassen.
In beiden Fällen braucht es mehr besseres Personal, trotzdem haben wir im Moment schon einen Mangel an Lehrkräften.

Hier meine eigentlichen Fragen: Wie viele neue Lehrer/Betreuer wollen Sie in Schulen einsetzen, und wie(auf welchen Gebieten) müssten Sie konkret aus/weitergebildet werden um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
Wie wollen Sie die Zeit überbrücken in denen Schüler schon integriert werden, Lehrkräfte aber noch nicht vollkommen bereit sind, falls eine solche Periode eintritt?
Wie sollen Spannungen zwischen den Schülern solcher divers besetzten Klassen verhindert und behandelt werden? (Das Programm bietet dazu nur unzureichend Auskunft: "Für Diskriminierung darf an Berlins Schulen kein Platz sein.")

-Jannis Wildermuth, Schüler am Sophie-Charlotte Gymnasium

Von: Wnaavf Jvyqrezhgu

Antwort von Lisa Paus (GRÜNE)

Sehr geehrter Herr Wildermuth, lieber Jannis,

vielen Dank für Ihre Anfrage per Email. Zu Ihren Fragen kann ich Ihnen folgende Auskunft geben:

Integration von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien ist für alle Betroffenen eine große Herausforderung. Dabei sehe ich die aktuell eingerichteten „Willkommensklassen“, in denen die Kinder und Jugendlich in 12er Gruppen gemeinsam die deutsche Sprache erlernen sollen, als einen ersten Schritt. Wir Grüne wollen eine schnellstmögliche Integration in Regelklassen. Für die Umsetzung werden wir ausreichend Schulplätze benötigen, hierfür haben wir ein umfassendes Konzept vorgelegt, wie Schulneubau und Schulsanierung zukünftig besser gestaltet werden können.
Des Weiteren benötigen wir ausreichend gut qualifizierte Lehrkräfte, denn Berlin ist attraktiv durch seine Vielfalt und Weltoffenheit, aber in den Schulen gelingt es noch nicht, diese Vielfalt umfassend zu fördern. Weil es nach wie vor zu wenig Lehrer*innen und Erzieher*innen mit Migrationshintergrund gibt, fehlt es Kindern oft an Vorbildern. Zudem mangelt es neben Sprachangeboten für Türkisch, Arabisch und Kurdisch auch an solchen für osteuropäische Sprachen. Daher bauen wir das Angebot an zweisprachiger Erziehung und Bildung konsequent aus.
Das neue Landeskonzept für Berufs- und Studienorientierung öffnen wir interkulturell und werben in diesem Rahmen insbesondere dafür, dass sich mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund für pädagogische Berufe entscheiden. Mit den Berliner Hochschulen vereinbaren wir konkrete Nachqualifizierungsmodule, um Menschen, deren ausländischer Bildungsabschluss hier nicht voll anerkannt wird, einen Weg ins Lehramt zu ermöglichen. Und wir unterstützen eingewanderte Erzieher*innen dabei, in der Bundesrepublik eine staatliche Anerkennung zu bekommen. Unsere Kitas und Schulen sind Orte, an denen ein friedliches, wertschätzendes und fröhliches Miteinander eingeübt werden kann und soll.
Wir unterstützen Schulen daher zum Beispiel durch Diversity-Trainings bei dieser Arbeit. Außerdem richten wir ein Kompetenz- und Beratungszentrum für interkulturelle Pädagogik ein, an das sich alle Pädagog*innen und Kollegien wenden können.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen ausreichend beantworten und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Lisa Paus

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