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Linda Heitmann
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Ama A. •

Welche konkreten politischen Maßnahmen wollen Sie ergreifen, damit junge Menschen wieder faire Chancen auf einen qualifikationsgerechten Berufseinstieg und sozialen Aufstieg erhalten?

Sehr geehrte Frau Heitmann,

ich wende mich an Sie, weil mich als Berufseinsteigerin, Arbeiterkind und Erstakademikerin eine Frage beschäftigt, die aus meiner Sicht viele junge Menschen betrifft.

Über Jahre wurde meiner Generation vermittelt, dass Bildung, Fleiß und Eigeninitiative der Schlüssel zu sozialem Aufstieg seien. Ich habe dieses Versprechen ernst genommen: Ich habe Nachhaltigkeit studiert, Praktika absolviert, mich kontinuierlich weitergebildet und viel Zeit investiert, um gute Voraussetzungen für den Berufseinstieg zu schaffen.

Dennoch erlebe ich wie viele andere Absolvent:innen, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt zunehmend schwierig ist. Viele arbeiten fachfremd, finden nur befristete Beschäftigungen oder müssen trotz guter Qualifikation monatelang nach einer passenden Stelle suchen. Gleichzeitig steigen Mieten und Lebenshaltungskosten so stark, dass selbst mit einer Vollzeitbeschäftigung finanzielle Sicherheit kaum möglich sind.

Ich würde mich über ihre Antwort freuen.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau A., 

vielen Dank für Ihre Anfrage. 

Wir teilen Ihre Sorge, dass viele junge Menschen, auch zunehmend Akademiker*innen, auf Grund der wirtschaftlichen Lage sowie vielen Neuerungen im Bereich KI immer größere Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Da gibt es sicherlich Unterschiede, je nach Branche und auch die Zahlen sind im europäischen Vergleich noch recht stabil, aber es verschlechtert sich und es gibt nicht mehr die Jobgarantie direkt nach dem Studium. Gerade für Arbeiterkinder und Erstakademiker*innen ist diese Situation besonders belastend ist, weil sie seltener auf finanzielle Rücklagen, familiäre Netzwerke oder unbezahlte Übergangsphasen zurückgreifen können.

Das Versprechen, dass Bildung und Leistung sozialen Aufstieg ermöglichen, darf aus meiner Sicht trotzdem nicht zu einer leeren Formel werden. Dabei wäre es zu einfach, die gegenwärtige Krise allein mit äußeren Schocks wie Pandemie, Krieg oder globalen wirtschaftlichen Verwerfungen zu erklären. Ein Teil der Probleme ist auch hausgemacht: durch über Jahre verschleppte Investitionen, falsche politische Prioritäten und Anreize, die zu häufig bestehende, nicht zukunftsfähige Strukturen abgesichert haben, statt Innovation, Transformation und neue Beschäftigungsperspektiven zu fördern. Wer jungen Menschen Chancen eröffnen will, muss deshalb nicht nur Krisenfolgen abfedern, sondern die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen grundlegend auf Zukunft ausrichten und z.B. Technologien der erneuerbaren Energien verlässlich fördern.

Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass 

  • der Übergang von Ausbildung oder Studium in eine reguläre Beschäftigung besser abgesichert wird. Dazu gehören eine stärkere Berufsberatung, öffentlich geförderte Einstiegs- und Traineeprogramme sowie Unterstützungsangebote, die sich ausdrücklich auch an Hochschulabsolvent*innen richten. Praktika nach einem abgeschlossenen Studium dürfen reguläre Arbeitsplätze nicht ersetzen und müssen angemessen vergütet werden.
  • junge Beschäftigte mehr Sicherheit haben. Sachgrundlose Befristungen sollten daher deutlich eingeschränkt und Kettenbefristungen verhindert werden. Gerade hier beabsichtigt die aktuelle Regierung Einschritte, die unbedingt verhindert werden sollten. Öffentliche Aufträge und Fördermittel sollten bevorzugt an Unternehmen gehen, die nach Tarif bezahlen, ausbilden und dauerhaft Beschäftigung schaffen. Eine höhere Tarifbindung helfen insbesondere Menschen, die am Anfang ihres Berufslebens noch wenig Verhandlungsmacht haben.
  • öffentliche und private Investitionen konsequent in die Zukunft gelenkt werden. Gerade in den Bereichen Klimaschutz, erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Bildung und soziale Infrastruktur werden gut qualifizierte Menschen gebraucht. Staatliche Förderung darf nicht länger vor allem überholte Geschäftsmodelle konservieren, sondern muss Innovation, Transformation und die Entstehung guter, tarifgebundener Arbeitsplätze unterstützen. Dazu gehören verlässliche Rahmenbedingungen, eine moderne Infrastruktur und eine aktive Industriepolitik, die Unternehmen Planungssicherheit gibt.
  • die soziale Herkunft nicht darüber entscheidet, wer sich ein Studium, eine Weiterbildung oder eine längere Stellensuche leisten kann. Das BAföG muss elternunabhängiger, existenzsichernd und regelmäßig an die tatsächlichen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Auch Weiterbildungen und berufliche Neuorientierungen sollten leichter finanziert werden können.
  • der Mietmarkt so reguliert wird, dass Mieten bezahlbar werden. Gerade für Bürger*innen mit geringen Einkommen, für Auszubildende und Studierende, für junge Familien und Alleinerziehende, aber auch für Rentner*innen werden die Mieten unbezahlbar. Seit Jahren explodieren die Mietpreise gerade in Ballungsräumen, aber zunehmend auf dem Land. Sicheres Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Daher wir dringend eine umfassende Mietrechtsreform. Diese muss beinhalten: eine Verschärfung der Mietpreisbremse und Abschaffung der Ausnahmen für möblierte und befristete Mietverhältnisse, eine stärkere Einschränkung von Mieterhöhungen bei bestehenden Verträgen, die Anwendung der Schonfristzahlung auf die ordentliche Kündigung sowie die Weiterentwicklung des Instruments des Mietspiegels. Nähe Informationen hierzu finden Sie auf https://www.gruene-bundestag.de/wir-im-bundestag/unsere-fraktion/unsere-zukunftsideen/unser-mieten-runter-paket/.
  • Darüber hinaus ist es mir persönlich ein großes Anliegen, dass wir frühkindliche Bildung und Förderung vorantreiben, denn hier werden die Grundsteine gelegt für einen erfolgreichen Bildungsweg. Ich finde beispielsweise die flächendeckende Viereinhalbjährigen-Untersuchung in Hamburg, bei der Sprachförderbedarfe rechtzeitig vor dem Schuleintritt festgestellt und dann entsprechend angegangen werden sollen, ein wichtiges und richtiges Instrument. Hier würde ich mir wünschen, dass es auf alle Bundesländer ausgedehnt wird. 

 Ich hoffe, dass Sie inzwischen eine gute Beschäftigung entsprechend Ihrer Qualifikation gefunden haben. 

Mit zuversichtlichen Grüßen

Linda Heitmann, MdB 

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