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Kerstin Celina
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Julian K. •

Sehr geehrte Frau Celina, Sind Sie für die langfristige Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystem in Bayern zugunsten eines inklusiven Ansatzes (nach finnischem Vorbild)? Danke!

Deutschland bildet unter den OECD-Staaten eine Ausnahme, weil es – entgegen zentralen pädagogisch-didaktischen Erkenntnissen – weiterhin am mehrgliedrigen Schulsystem festhält. Länder, die seit Jahren zu den Spitzenreiter der PISA-Studie gehören wie Finnland, Estland, Dänemark etc. setzen voll und ganz auf die Vorteile eines inklusiven Bildungsweges bis zur 9. Klasse. Führende Schulpädagog:innen wie Heinz Klippert, Hilbert Meyer und K-J. Tillmann sowie alle Länderbildungsberichte weisen daraufhin, dass in Deutschland eine Förderkultur fehlt, die alle Schüler:innen gleichermaßen annimmt und ernstnimmt. Das Sitzenbleiben oder die Verbannung von Flüchtlingen auf Mittelschulen sind die größten Auswüchse der Selektionsbemühungen. Gleichzeitig gibt es keine mit Studien oder anderer empirischer Forschung nachgewiesene Nachteile eines integrativen Ansatzes. Am Ende scheitert es nicht an den Schüler:innen oder den Lehrkräften bzw. der Pädagogik. Die Bringschuld liegt im politischen Willen.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr K.

entschuldigen Sie bitte die lange Antwortzeit - die Anfrage ist mir in meinem Posteingang durchgerutscht.  

Ja – langfristig befürworte ich als bayerische Grünen-Abgeordnete einen schrittweisen Umbau des mehrgliedrigen Schulsystems hin zu einem inklusiven, leistungsfördernden und sozial gerechten Bildungssystem nach international bewährten Vorbildern wie Finnland. Dabei geht es nicht um eine überstürzte Abschaffung bestehender Schularten, sondern um einen verantwortungsvollen Transformationsprozess.

Unser aktuelles System sortiert Kinder sehr früh – häufig stärker nach Herkunft als nach tatsächlichem Potenzial. Das widerspricht dem Anspruch auf Chancengleichheit. Inklusive Gemeinschaftsschulen mit längerer gemeinsamer Lernzeit ermöglichen individuelle Förderung, stärken soziale Kompetenzen und reduzieren Bildungsungleichheiten.

Wichtig ist mir dabei: Leistung und Vielfalt schließen sich nicht aus. Im Gegenteil – moderne Pädagogik zeigt, dass differenzierter Unterricht, Team-Teaching, multiprofessionelle Unterstützung und flexible Lernwege sowohl leistungsstarke als auch förderbedürftige Schülerinnen und Schüler besser erreichen können.

Für Bayern heißt das konkret:

Ausbau inklusiver Schulmodelle und Gemeinschaftsschulen,

deutlich mehr Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Sonderpädagogik,

kleinere Klassen und bessere Ausstattung,

mehr pädagogische Freiheit für Schulen vor Ort,

enge Einbindung von Eltern, Kommunen und Lehrkräften.

Finnland ist kein eins-zu-eins-Modell für Bayern, aber ein Beweis dafür, dass ein gerechteres System mit hoher Bildungsqualität möglich ist. Unser Ziel ist eine Schule, die nicht aussortiert, sondern alle Kinder bestmöglich stärkt – unabhängig von Herkunft, Wohnort oder Elternhaus.

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