Jens Peick
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Frage von Nathalie M. •

Wie bleiben behinderte/chronisch Kranke Arbeiter geschützt mit der aktuellen Gesundheitsreform?

Die Krankschreibung ab Tag 1 bei gleichzeitiger Pflichtanwesenheit in Praxen um diese zu erhalten ist für diverse dauerhaft erkrankte Menschen in Arbeitsverhältnissen nicht leistbar. Ich zum Beispiel habe EDS. An manchen Tagen kann ich das Bett kaum verlassen, meine Gelenke lassen Belastungen wie Tippen am Rechner nicht zu. An solchen Tagen verlasse ich auch das Haus nicht, das würde einen längerfristigen Schub triggern. Meistens ist es am nächsten Tag durch die Schonung besser.

Wie soll ich also damit umgehen? Arbeiten, Schub triggern und langfristig ausfallen und ggf meinen Job verlieren? Zum Arzt mit dem selben Ergebnis? Unentschuldigt fehlen und auch meinen Job verlieren? Einen Krankenwagen rufen und das Gesundheitssystem zusätzlich belasten?

Ich verstehe nicht wie das umsetzbar sein soll und würde mich freuen wenn Sie mir erklären können, wie die vielen schwerbehinderten Arbeiter aufgefangen werden.

Danke!

Jens Peick
Antwort von SPD

Als Regierungspartei muss man gemeinsam mit dem Koalitionspartner Kompromisse finden und dabei auch von eigenen Positionen abrücken, um Lösungen zu ermöglich.
Ich möchte deutlich machen, dass das hier aus meiner Sicht nicht der Fall ist.

Die Krankschreibung ab dem ersten Tag halte ich aus vielen Gründen für falsch. Sie nährt die Mär, dass wir alle nur etwas fleißiger sein müssten, und der deutschen Wirtschaft ginge es besser. Das stimmt so aber nicht. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im oberen Mittelfeld, was die Krankheitstage angeht. Ganz oben liegt Norwegen, das aber gleichzeitig weltweit auf Platz 3 der Arbeitsproduktivität pro Kopf steht. Kurz in Norwegen sind die Menschen 2,3 Wochen im Jahr mehr krank und trotzdem produktiver. Der Vorschlag verkennt die wahren Probleme der deutschen Wirtschaft: Ein von China verzerrter internationaler Handel, fehlende Gemeinwohlorientierung und fehlende Innovationsbereitschaft der deutschen Industrie.

Insbesondere bin ich aber davon überzeugt, dass die Pflicht zur AU ab dem ersten Krankheitstag den gegenteiligen Effekt von ihrem ursprünglichen Ziel hat. Sie wird zu Überlastungen in den Arztpraxen, Verschlechterung des Gesundheitszustandes und in der Folge zu mehr Arbeitsausfällen führen.

Die Krankschreibung ab dem ersten Tag ist nicht Teil des beschlossenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es dieser Vorschlag nicht in das Plenum des Deutschen Bundestages schafft.

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