Leihmutterschaft nur illegal oder auch eine Geringschätzung von Frauen?
Sehr geehrter Herr Dahmen,
es kann dabei nicht nur darum gehen, dass "Politiker, die hier jedwede Liberalisierung gesetzlicher Grundlagen zur Leihmutterschaft vehement ablehnen, dann aber selbst im Ausland genau diese in Anspruch nehmen" (...).
(https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/wachsende-kritik-jens-spahn-leihmutterschaft-100.html)
Frauen sind keine Gebärmaschinen! Und es gibt auch in Deutschland so viele Kinder ohne Eltern! Man muss sich wirklich keins kaufen.
Sehr geehrte Frau Izaguirre B.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Gedanken zur Leihmutterschaft.
Für mich ist Leihmutterschaft keine Frage der Legalität, sondern eine ethische Grundsatzfrage: Schwangerschaft, gesundheitliche Risiken und Elternschaft werden dabei Teil eines entgeltlichen Vertragsmodells. Nicht der Kinderwunsch ist das Problem, der ist zutiefst menschlich. Die Frage ist, ob Schwangerschaft und Geburt selbst zu einer käuflichen Dienstleistung werden sollten. Die Debatte um Menschenwürde darf dabei nicht beim Embryo enden, sondern muss auch die Würde und Selbstbestimmung der austragenden Frau in den Blick nehmen. Besonders kritisch sehe ich, dass der internationale Leihmutterschafts-Markt jährlich um rund ein Viertel wächst und zunehmend zum Investitionsobjekt von Risikokapital wird. Den Zugang verschaffen sich dabei vor allem wohlhabende Personen, häufig entlang deutlicher Vermögensgefälle zu den austragenden Frauen.
Zum Fall Spahn habe ich mich öffentlich positioniert: Mich irritiert der Widerspruch, wenn Politiker eine Liberalisierung ablehnen, selbst aber im Ausland genau das in Anspruch nehmen, was sie hierzulande verbieten wollen. Dabei geht es um politische Glaubwürdigkeit und Doppelstandards, nicht um die Geburt eines Kindes.
Gleichzeitig verhindert ein nationales Verbot allein solche Ausweichbewegungen ins Ausland nicht. Deshalb braucht es aus meiner Sicht zusätzlich internationale Kooperation und bessere Schutzstandards für Eizellspenderinnen und Leihmütter weltweit, denn die Antwort auf einen wachsenden globalen Markt kann jedenfalls nicht seine Liberalisierung in Deutschland sein.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Janosch Dahmen

