Setzen Sie sich dafür ein, dass wir im Osten endlich einen Ausgleich erhalten von der unfairen Währungsunion 1990, wo die DDR-Mark 2:1 in die D-Mark übernommen wurde?
Sehr verehrte Frau Schwerdtner,
1990 wurde die DDR-Mark nicht 1:1 in die D-Mark übernommen. Wie der MDR berichtete, wurde dies nach Alter gestaffelt und die höchste Gruppe waren Personen ab 60 Jahren, die nur bis zu 6.000,- DDR-Mark 1:1 in D-Mark haben umtauschen dürfen. Alles darüber unterlag einem Kurs von 2:1. Wer also mit Ü60 z. B. 56.000,- DDR-Mark auf seinem DDR-Bankkonto hatte, hatte dann nur noch 31.000,- D-Mark.
Unser Kapital im Osten wurde faktisch halbiert. Dies wirkt bis heute nach, in allen Lebenslagen! Wir Bürger verlangen Gerechtigkeit und einen fairen Ausgleich. Wir möchten die gleichen Voraussetzungen nach so langer Zeit bekommen, wie es im Westen 1990 auch der Fall war. Auch wir möchten erfolgreiche Unternehmen gründen können, wofür es nicht nur Kapital bedarf, sondern auch entsprechender Netzwerkstrukturen. Aber, Kapital ist der Schlüssel.
Setzen Sie sich dafür ein, dass diese Ungerechtigkeit endlich beseitigt wird und wir einen Ausgleich erhalten?
Sehr geehrter Herr P.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Die darin geschilderte Erfahrung beschäftigt viele Menschen in Ostdeutschland bis heute. Die Wende war mit großen Hoffnungen verbunden, aber brachte auch erhebliche Verlusterfahrungen mit sich. Dazu gehörten nicht nur Veränderungen und Brüche im Arbeitsleben, sondern auch Fragen des Vermögensaufbaus und der wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen – von Treuhand bis Währungsunion. Diese Fragen müssen ernstgenommen werden.
Die Linke hinterfragt die Folgen und Ausgestaltung der Transformation seit Jahren kritisch. Aus unserer Sicht wurden die unterschiedlichen Situationen zwischen Ost und West damals nicht ausreichend berücksichtigt. Viele Menschen in Ostdeutschland konnten in der DDR weniger Vermögen aufbauen, was bis heute nachwirkt. Welche Rolle der DM-DDR Mark-Wechselkurs dabei gespielt hat, ist eine sehr komplexe Frage, die eine differenzierte Aufarbeitung erfordert.
Wir setzen uns dafür ein, fortwirkende Ungleichheiten abzubauen und gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland zu schaffen. Dazu gehören Strukturförderung für Ostdeutschland, mehr öffentliche Investitionen, Anerkennung für die Lebensleistungen ostdeutscher Menschen sowie eine gerechte Steuerpolitik, die die Vermögensungleichheit nicht nur zwischen den Klassen, sondern auch zwischen Ost- und Westdeutschland berücksichtigt. Unsere Forderung für eine Vermögenssteuer berücksichtigt beispielsweise die unterschiedlichen Vermögensvorkommen in Ost- und Westdeutschland und beinhaltet die Forderung nach einem Verteilschlüssel zwischen den Bundesländern.
Für uns ist klar: Die strukturellen und wirtschaftlichen Belastungen, die viele Menschen infolge der Wende erfahren haben, dürfen nicht einfach abgetan werden. Wir setzen uns für die Anerkennung ostdeutscher Perspektiven und Bedürfnisse ein. Überall in Deutschland müssen die Menschen gleiche Chancen auf soziale Sicherheit und wirtschaftliche Teilhabe haben.
Mit solidarischen Grüßen
Das Team von Ines Schwerdtner

