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Heidi Reichinnek
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Frage von Manfred M. •

Warum wird immer das schwedische Modell für die Kapitalrente angeführt?

Sehr geehrte Frau Reichinnek, das schwedische Beispiel wird so gern genannt, weil man damit die Angst der Deutschen vor der Börse lindern will („Seht her, bei den Schweden klappt es doch auch“). Dabei wird jedoch unterschlagen, dass der schwedische Aktienfonds nur deshalb so entspannt das Auf und Ab der Börse durchstehen kann, weil im Hintergrund eine starke Garantierente und eine Einzahlungspflicht für alle Bürger existieren. Man kopiert das Dach (den Aktienfonds), baut aber nicht das schwedische Fundament (die Erwerbstätigenversicherung). Die Garantierente des schwedischen Staates ist ca. 1050 €. Kann es sein, dass im Zuge dieser Gesetze und Gesetzesvorhaben Spenden oder Sponsoring-Gelder von Finanz- od. Versicherungen gezahlt wurden?

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Antwort von Die Linke

Guten Tag,

neben den unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die Alterssicherung in Deutschland und Schweden ist das positive Narrativ zur kapitalgedeckten Komponente der schwedischen gesetzlichen Rentenversicherung auch aus anderen Gründen problematisch: Laut OECD-Modellrechnungen beträgt die Bruttoersatzrate der gesetzlichen Rente in Schweden für einen Durchschnittsverdiener 50,1 %. Das bedeutet, dass ein Durchschnittsverdiener beim Renteneintritt 50,1 % seines letzten Bruttoeinkommens als Bruttorente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten kann. Im Vergleich dazu beträgt die Bruttoersatzrate der umlagefinanzierten gesetzlichen Rentenversicherung in Österreich (Pensionsversicherungsanstalt) für einen Durchschnittsverdiener 74,1 %. Dieser Vergleich deutet darauf hin, dass die Überlegenheit eines Rentensystems nicht davon abhängt, ob Kapitaldeckung eine Rolle spielt. (Quelle: Tabelle 4.2 in https://www.oecd.org/en/publications/pensions-at-a-glance-2025_e40274c1-en/full-report/gross-replacement-rates-public-vs-private-mandatory-vs-voluntary-schemes_ec20db6a.html#indicator-d1e24959-d7b5ae2cf5). 

Die kapitalgedeckte Rente macht aktuell ca. acht Prozent der gesamten Rentenausgaben der schwedischen gesetzlichen Rentenversicherung aus. Die Begründung, dass es älteren Menschen in Schweden teilweise besser geht als in Deutschland, ist unserer Ansicht nach also weniger auf die kapitalgedeckte Komponente der gesetzlichen Rentenversicherung zurückzuführen, sondern vielmehr darauf, dass durch die quasi-obligatorische, arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung insgesamt mehr Geld in die Alterssicherung der Arbeitnehmer:innen fließt.

Zusätzlich können die Renten in Schweden unter anderem abhängig von Entwicklungen am Kapitalmarkt gekürzt werden. Wer Rentenkürzungen ausschließen möchte (was aus unserer Sicht sehr wichtig ist), muss das Kapital insbesondere in der Rentenphase vorsichtig anlegen und wird daher auf die hohen versprochenen Renditen verzichten müssen.

Viele Grüße

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