Frage an Frank Steffel von Ynhen Zrvre bezüglich Bürgerrechte

20. August 2005 - 21:31

Als ich 2001 nach Berlin gezogen bin, waren Sie gerade der Spitzenkandidat der Berliner CDU. Damals habe ich mit großem Entsetzen die Berichte darüber gelesen, dass Sie in Ihrer Zeit in der Jungen Union beleidigende Begriffe („Mongos“, „Bimbos“ und Kannacken“) für Behinderte, Farbige und Ausländer benutzt haben. Leider habe ich dazu niemals eine wirkliche Distanzierung und Entschuldigung von Ihnen vernommen.

Ich habe einen Freund, der als Farbiger häufig rassistischen und ausländerfeindlichen Äußerungen ausgesetzt ist, und ich finde dass Menschen die solche Begriffe in ihrem Wortschatz haben, nicht in ein Parlament gehören. Da Sie jetzt für den Bundestag kandidieren möchte ich Sie folgende Dinge fragen:

Haben Sie solche Begriffe benutzt? Warum?

Wie stehen Sie heute dazu?

Was tun sie als Politiker gegen Diskriminierung und Verfolgung von Ausländern und anderen Minderheiten?

Was tun Sie dafür, dass Kinder und Jugendliche Toleranz gegenüber Ausländern und Andersdenkenden lernen?

Frage von Ynhen Zrvre
Antwort von Frank Steffel
12. September 2005 - 08:36
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen 1 Tag

Liebe Frau Meier,

bereits mehrfach habe ich daruaf hingewiesen, dass ich mich beim besten willen nicht daran errinnern kann, was ich mit 14 oder 15 jahren gesagt haben soll. natürlich zählen diese begriffe nicht zu meinem wortschatz.

es ging übrigens in den über zwanzig jahre zurückliegenden "errinerungen" eines klassenkameraden um das wort "neger". Hier habe ich darauf hingewiesen, dass dieses wort in meiner jugend absolut üblich war und wir von "Negerküssen" gesprochen haben und das lied "10 kleine Negerlein" in der schule gesungen haben. Ich selbst habe erst mit 18 jahren u. a. bei vielen besuchen in Amerika gemerkt, dass dieses wort eine beleidigung darstellt. in meiner kindheit war die sensibilität hier nach meiner erinnerung eine andere. sehr viele menschen benutzen das wort übrigens bis heute und verfolgen damit keine rassischtischen ziele. wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass sich dies ändert. wo immer ich tätig bin, u. a. im sport in der betreuung von Jugendlichen, aber natürlich auch im beruf oder in der politik, achte ich sehr auf Respekt vor andersdenkenden oder anderen kulturen, religionen oder nationalitäten. ich ahbe allerdings bei all den problemen im einzelfall auch den eindruck, dass durch die mobilität der menschen, durch die informationen in den medien und die internationalität deutschlands die überwältigende mehrheit der menschen sensibel, verständnisvoll und tolerant auf jugendliche einwirkt. aber hier gibt es immer noch viel zu tun. da sind wir uns einig.

ich würde mich freuen, wen sie meine position zumindest nachvollziehen könnten.

mit freundlichen grüßen auch an ihren freund

ihr frank steffel