Routinemäßige Genitalbegutachtung bei der Musterung: Gewinnen wir so junge Menschen für die Bundeswehr, wenn sie den Erstkontakt mit Schamverletzung bis Demütigung verbinden?
Sehr geehrter Herr Schmid,
als Mitglied im Ausschuss für Verteidigung begrüßen Sie die Errichtung von drei neuen Musterungszentren in Bayern.
Bei der Musterung werden nun wieder alle 18-Jährigen routinemäßig zur Genitalbegutachtung aufgefordert – ohne freie Arztwahl, ohne medizinische Evidenz (s. S3-Leitlinie/DKFZ/RKI). Auch Urologie-Prof. Friedersdorff sieht keine Notwendigkeit zur Tauglichkeitsbestimmung (Stern, 11.03.26).
Laut breiter öffentlicher Kritik empfinden dies viele Betroffene im Pflichtsetting als schamverletzend bis demütigend. Besonders für die ca. 5 %, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden, ist dieser fremdbestimmte Intimeingriff enorm belastend. Ein Verweis auf zivile Ärzte verschiebt den Zwang nur.
Wie stehen Sie zur Genitalbegutachtung bei der verpflichtenden Musterung: Können wir so junge Menschen für die Bundeswehr gewinnen, wenn wir sie beim oft nicht freiwilligen Erstkontakt auffordern, sich zeitweise vollständig zu entkleiden und ihr Genital zu entblößen?
Sehr geehrter Herr S.,
es freut mich, dass wir bereits auf der BPA-Fahrt die Möglichkeit hatten, über dieses Thema gemeinsam zu sprechen.
Wie auch schon im persönlichen Gespräch betont, setze ich mich dafür ein, dass die Musterung künftig so angenehm wie möglich gestaltet wird. Die Untersuchung muss an die neusten medizinischen Erkenntnisse angepasst werden, damit auch wirklich nur die Untersuchungen durchgeführt werden, die notwendig sind, um die Tauglichkeit festzustellen.
Die Begrenzung auf die notwendigen Untersuchungen ist nicht nur angenehmer für den freiwilligen Bewerber, sondern sorgt auch dafür, dass die vorhandenen medizinische Kapazitäten sinnvoll genutzt werden. Wie genau die Musterung künftig ausgestaltet wird, sollte meiner Ansicht nach durch das entsprechende Fachpersonal entschieden werden.
Generell gilt jedoch: Niemand sollte durch die Musterung das Gefühl bekommen, durch die Untersuchungen geschädigt zu werden!
Freundliche Grüße
Christoph Schmid
