Sehr geehrter Herr Simon, sind sie dafür, dass das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt wird? Sind sie dafür, dass ein unbefristetes Arbeitsverhältnis 4 Jahre lang dauern kann?
Sehr geehrte Frau G.,
vielen Dank für Ihre über abgeordnetenwatch.de gestellte Fragen.
Die Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung gehört aus meiner Sicht zu den zentralen sozialpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Der demografische Wandel stellt unser Rentensystem vor erhebliche Herausforderungen: Die Menschen werden erfreulicherweise älter und beziehen länger Rente, während zugleich weniger Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nachrücken. Deshalb müssen wir ehrlich darüber sprechen, wie die Rente langfristig finanzierbar und generationengerecht bleiben kann.
Die Rentenkommission hat hierzu Vorschläge vorgelegt, die nun ernsthaft beraten werden müssen. Dazu gehört auch die Frage, ob und wie die Entwicklung der Lebenserwartung künftig stärker bei der Ausgestaltung des Rentensystems berücksichtigt werden sollte.
Zu Ihrer ersten Frage: Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass die Entwicklung der Lebenserwartung bei der künftigen Ausgestaltung des Rentensystems eine Rolle spielt. Wenn Menschen im Durchschnitt länger leben und länger Rente beziehen, kann diese Entwicklung nicht dauerhaft ohne Auswirkungen auf das Rentensystem bleiben. Gleichzeitig darf eine solche Reform nicht schematisch oder ohne Rücksicht auf unterschiedliche Erwerbsbiografien erfolgen. Wer über Jahrzehnte körperlich besonders belastende Arbeit geleistet hat oder gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, bis zu einem höheren Alter zu arbeiten, braucht weiterhin verlässliche und faire Regelungen.
Ebenso wichtig ist es, freiwilliges längeres Arbeiten attraktiver zu machen. Viele Menschen wollen und können auch über das reguläre Rentenalter hinaus arbeiten. Ihnen sollten wir keine Steine in den Weg legen, sondern bessere Anreize und flexiblere Übergänge schaffen.
Zu Ihrer zweiten Frage: Auch die Frage nach flexibleren Regelungen am Arbeitsmarkt muss sorgfältig abgewogen werden. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass es nicht von vornherein auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt ist. Befristungen können in bestimmten Fällen sinnvoll sein, etwa beim Berufseinstieg, bei Projekten oder zur Vertretung. Sie dürfen aber nicht zum Regelfall werden und unbefristete Beschäftigung dauerhaft ersetzen. Deshalb kommt es darauf an, Flexibilität für Unternehmen zu ermöglichen, zugleich aber Missbrauch zu verhindern und verlässliche Perspektiven für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu sichern.
Für mich ist entscheidend: Wir brauchen Reformen, die unser Rentensystem dauerhaft stabilisieren, Generationengerechtigkeit herstellen und zugleich die Lebensleistung der Menschen respektieren. Die Vorschläge der Rentenkommission sind dafür eine wichtige Grundlage. Dazu gehört eine ehrliche Debatte über das Renteneintrittsalter ebenso wie faire Regeln auf dem Arbeitsmarkt.
Mit freundlichen Grüßen
Björn Simon

