Beate Müller-Gemmeke
DIE GRÜNEN
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Frage von Unaf Trefgraznvre an Beate Müller-Gemmeke bezüglich Verkehr und Infrastruktur

# Verkehr und Infrastruktur 02. Aug. 2009 - 08:37

Sehr geehrte Frau Müller-Gemmeke,

als Grüne-Bundestagkandidatin hätte ich gerne Ihre Ansicht zur Entlastung der B312 im oberen Echaztal (Ortsdurchfahrt Lichtenstein). Die Ortsumfahrung Pfullingen ist zu aller Zufriedenheit seit Jahren fertig, der Scheibengipfeltunnel in Reutlingen steht kurz vor dem Spatenstich und das obere Echaztal steht nur im "Weiteren Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans.
Ein Plan besteht dafür noch nicht (nur Trassenvarianten).
Die Belastung der Ortsduchfahrten Unterhausen und Honau ist jetzt schon gewaltig (24000 PKW und 1400 LKW/Tag) und es ist zu befürchten, dass nach der Umgehung Pfullingen mit dem Scheibengipfel im oberen Echaztal der Durchgangsverkehr weiter zunehmen wird. Eine Regionalstadtbahn auf die Alb würde m.E. hier zu keiner wahrnehmbaren Entlastung führen.
Ihre Vorstellungen zur Lösung dieses Problems würde mich daher interessieren.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Gerstenmaier

Von: Unaf Trefgraznvre

Antwort von Beate Müller-Gemmeke (GRÜNE)

Sehr geehrter Herr Gerstenmaier,
 
zuerst einmal möchte ich Ihrer Situationsbeschreibung im Echaztal zustimmen.

Insbesondere auch Ihre Ausführungen zum Scheibengipfeltunnel kann ich voll und ganz unterschreiben. Der Tunnel wird meiner Meinung nach die Verkehrsprobleme in Reutlingen nicht lösen können. Der Tunnel wird aber dazu führen, dass noch mehr Verkehr in Reutlingen und somit auch in Lichtenstein entstehen wird – insbesondere Schwerkraftverkehr auf dem Weg zum Bodensee. Wir Grünen haben uns immer gegen den Scheibengipfeltunnel stark gemacht und vor den Auswirkungen gewarnt. Für mich ist diese Entscheidung eine verfehlte Politik, die in der Vergangenheit und für die Zukunft ausschließlich auf Straßenverkehr und Neubau von Straßen setzt. Vor allem aber ist es eine Politik, die auf „Kirchturmdenken“ beruht, denn die Verkehrsprobleme werden nicht gelöst, sondern nur über die Markungsgrenze verschoben. Bei allen politischen Entscheidungen wurden die Folgen für Lichtenstein und die dortigen besonderen topografischen Gegebenheiten ignoriert.

Dennoch fragen Sie zu Recht nach möglichen Lösungen. All diejenigen, die immer auf den Bau von Straßen setzen, werden den Albaufstieg als Lösung nennen. Diese Antwort ist für mich unredlich: Die Verkehrsprobleme würden damit wieder verschoben - auf die Alb. Es gibt Trassenprobleme und vor allem fehlt die Finanzierung. Die Kosten sind enorm und durch die finanziellen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise werden noch weniger Mittel in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen.  

Für mich ist eine Stadtbahn noch immer Teil einer Lösung. Sie kann modular umgesetzt werden und ist damit realistischer als der Albaufstieg. Eine Stadtbahn nutzt den Menschen in der Region und ist zudem aktiver Klimaschutz. Für den steigenden Durchgangsverkehr durch den Scheibengipfeltunnel aber ist die Stadtbahn natürlich keine Antwort – hier hilft nur eine Umfahrung von Lichtenstein. Eine Trassenfindung in Lichtenstein ist problematisch, also bleibt aus meiner Sicht nur eine weiträumige Umfahrung. In diesem Sinne sollte die Stuhlsteige in Richtung Sonnenbühl wieder in die Prüfung und Planung aufgenommen werden, auch wenn das Regierungspräsidium dies abgelehnt hat.

Meine Antwort kann nicht zufriedenstellend sein. Dazu gab es zu viele Fehlentscheidungen in der Vergangenheit. Dennoch möchte ich keine einfachen goldenen Lösungen benennen, denn dies wäre unehrlich.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Beate Müller-Gemmeke

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